Die Ungewissheit schlägt zu – ich schlage zurück!

Gestern hat es mich völlig ausgeknockt. Plötzlich hatte ich Fieber und konnte nur noch im Bett liegen. Sobald ich mich aus der Horizontalen in die Vertikale bewegt habe, wurde mir übel, ohne dass ich mich hätte übergeben müssen. Mir war einfach den ganzen Tag lang schlecht, aber ich wusste nicht, aus welchem Grund.

Mittlerweile geht es mir wieder bestens, denn ich habe herausgefunden, was mich so bedrückt hat: Es war kein Virus, sondern die Ungewissheit. Die Ungewissheit darüber, wie es nächstes Jahr weitergehen wird.
Mein Chef hatte mir ja zugesichert, dass es auf jeden Fall im Verband weitergehen würde, weil ich zu seiner Zufriedenheit gearbeitet habe. Er wusste zwar noch nicht, auf welcher Position, doch die Festanstellung wäre sicher. Für ihn war das kein Thema, über das er lange nachzudenken brauchte. Er nahm an, das erledige sich schon von selbst. Man bräuchte sich also keine Sorgen zu machen.

Ich sorgte mich trotzdem. Keine Ahnung, weshalb. Vielleicht, weil alles so verschwommen auf mich wirkte. Wochenlang sickerten keine konkreten Informationen durch.

Heute Mittag jedenfalls kam die Wahrheit doch noch ans Licht. Mein Chef rief mich zu Hause an, da ich krankgeschrieben bin, um mir mitzuteilen, dass ich noch ein bis zwei Monate im Verband bleiben darf, als Zeitarbeiterin selbstverständlich, bis man die Stelle neubesetzt habe. Er sprach die Wahrheit sehr kühl aus, als wären wir uns fremd, ließ die Information, dass ich noch ein bis zwei Monate bleiben dürfe, jedoch klingen, als müsse ich dankbar dafür sein. Kein Wort der Entschuldigung für den miserablen Verlauf einer vermeintlichen Festeinstellung.
Dass ich die Stelle kriege, in die ich bestens eingearbeitet bin, kommt nicht in Frage, da ich ja nur 35 Wochenstunden arbeiten kann, nicht wie geplant 40. Davon weiche ich auch nicht ab, denn ich würde lieber weniger als mehr Stunden dafür aufwenden.

Trotz der fadenscheinigen Begründung und der ausgebliebenen Entschuldigung fühle ich mich nun tatsächlich viel besser. Es ist ungemein befreiend, zu wissen, woran man ist. Am liebsten würde ich nur noch bis zum 31.12. beim Verband arbeiten gehen und mir dann etwas anderes suchen. Meine Motivation hält sich arg in Grenzen. Wenn ich nicht so scharf auf ein gutes Arbeitszeugnis wäre, hätte ich gar keine mehr.
Gestern hatte ich bereits ein telefonisches Vorstellungsgespräch, das sehr vielversprechend verlaufen ist, morgen habe ich eines, bei dem ich physisch anwesend sein muss. Beide Stellen interessant und vielseitig. Es ist, als sei alles schon vorprogrammiert gewesen.

Nur von meinem Chef bin ich enttäuscht. Er hat falsche Hoffnungen in mir keimen lassen. Obwohl er so gebildet ist, hat er so unklug gehandelt. Ohne seine Versprechungen würden wir völlig neutral getrennter Wege gehen. So aber fühle ich mich für dumm verkauft.
Denn auf der mir versprochenen Position wäre ich schon gern beim Verband geblieben. Die Kollegen dort sind schließlich sehr, sehr nett zu mir gewesen. Wir lagen auf einer Wellenlänge. Das Aufgabengebiet habe ich allerdings nicht kennen gelernt.

Doch darüber, dass mir die Sekretärinnenstelle aus o.g. Gründen nicht angeboten wird, sollte ich mich wirklich freuen. Denn phlegmatisch, wie der Mensch ist, hätte ich angenommen. Und das wäre mein langsames, aber sicheres Verderben gewesen. Die Sekretärin, die ich vertreten habe, hat einen Burn-out erlitten und wollte deshalb nicht mehr zurück in ihren Job. Mir wäre es ähnlich ergangen, denke ich. Das Arbeitspensum war mehr als gering, die Arbeit selbst unbefriedigend, die Mitarbeiterer oft harsch im Ton und wenig anheimelnd. Und dafür soll ich auf wertvolle Familienzeit verzichten? Nie, dziękuję.

Nun gut, das Leben besteht aus Trennungen. Und Neuanfängen.

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