Wie ich wurde, was ich bin

Ein Beitrag zu meiner eigenen Blog-Parade: „Beruf kommt von Berufung?

Gleich vorweg: Ein guter Ratgeber bin ich nicht. Ich musste lange, sehr laaange suchen, bis ich endlich herausgefunden habe, was ich will. Dabei wäre es so einfach gewesen…

Wenigstens eines wusste ich tatsächlich schon seit Kindertagen, nämlich dass ich gern schreibe. Diese Vorliebe habe ich auch beibehalten. Allerdings wusste ich damit beruflich nichts anzufangen. Autorin werden? –Ach nee, dazu fehlte mir die Fantasie. Dann schon eher Journalistin.

Also habe ich Journalistik studiert – und musste leider feststellen, dass man da gar nicht so viel schreibt, schon gar nichts Persönliches. Man soll ja schließlich objektive Berichte verfassen, am besten fürs Fernsehen, denn – das lernte ich tatsächlich schon 2002: der Printjournalismus befinde sich in den letzten Atemzügen. Dem Internet gehöre stattdessen die Zukunft, doch dort sei die Zahlbereitschaft der Leser so gering, dass man als Journalist nicht von seinen Texten leben könne.

Stattdessen sollte man es lieber beim Fernsehen versuchen. Aber mir ging es ja ums Schreiben… Die Medien allgemein interessierten mich gar nicht so richtig. Ich betrachtete mein Studium als Sackgasse, zog es aber trotzdem durch, weil ich schon damals wusste, wie wichtig den Deutschen Abschlüsse und Zeugnisse sind.

 

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Selbstständig als Sexarbeiter

Sexarbeit, so der politisch korrekte Ausdruck für Prostitution, ist in Deutschland legal.

Wer der Sexarbeit nachgeht, muss bspw. ein Gewerbe anmelden und Steuern zahlen. Dennoch ist SexarbeiterIn kein geschützter Beruf. Weder existiert eine Ausbildung noch ein Abschluss. In keiner Berufsberatung der Welt wird einem der Beruf des Sexarbeiters vorgestellt oder gar ans Herz gelegt. Zumindest gibt es (in Deutschland) ein paar Institutionen, die zum Einstieg als SexarbeiterIn beraten. Kassandra e.V. ist so eine in Nürnberg oder auch Hydra e.V. in Berlin.

Wenn es für einen bestimmten Beruf kein Zeugnis gibt, läuft er Gefahr, seine Legitimität zu verlieren. Im Bereich der Sexarbeit tritt dieser Sachverhalt noch einmal verstärkt auf. Hier und da werden Stimmen laut, man möge die Sexarbeit wieder verbieten, um den vornehmlich weiblichen Beschäftigten ihre Rechte zurückzugeben. Somit werden Menschenhandel und die damit verbundene Zwangsprostitution, Beschaffungsprostitution und Sexarbeit in einen Topf geworfen.

Generell gilt, dass Sexarbeit auch nur ein Job ist, der in erster Linie dem Broterwerb dient. Er bildet im Leben der Sexarbeiterin eine Facette ab – er nimmt nicht das ganze Leben ein. Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Nur weil ich ein paar Stunden in der Woche blogge, bin ich längst nicht nur Bloggerin. Ich bin auch Mutter, Ehefrau & Geliebte, Volleyballerin, Zuhörerin, Journalistin, Berlinerin usw. – manchmal getrennt voneinander und manchmal eben auch gleichzeitig.

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Die zertifizierten Sexarbeiter

Auch nur ein Job, aber mit Zertifikat, ist die Sexualassistenz. Kurz gesagt, handelt es sich hierbei um eine Spielart der Prostitution, denn auch hier wird eine sexuelle Dienstleistung gegen Geld angeboten. Die Zielgruppe allerdings spricht für sich: es sind Menschen, die unter normalen Umständen keinen Sex haben können, weil sie zum Beispiel schon sehr alt sind und im Seniorenheim leben. Angesprochen werden aber auch Menschen mit Beeinträchtigung körperlicher und geistiger Art. Sexualassistenten sind im Umgang mit ebendieser Zielgruppe geschult. Ihre Dienstleistung geht über weit mehr als den bloßen Coitus hinaus.

Prostitution? -Nein danke!

Ich denke, die wenigsten von uns können sich vorstellen, in der Sexarbeit tätig zu werden. Keine Ahnung, warum, aber wir ekeln uns allein bei der Vorstellung, mit jemandem intim zu werden, den wir nicht begehren. Wir ekeln uns nicht nur, wir finden es zudem unmoralisch. Sex und Liebe, das gehört doch irgendwie zusammen, oder? Zumindest sollte kein Geld im Spiel sein. Eine sexuelle Dienstleistung als eine Art Tauschgeschäft – nee, da läuft doch was falsch. Das geht doch nicht.

Bald also schließen wir von uns auf andere und schwupps haben wir ein gesellschaftliches Problem. Was wir nicht wollen, wollen die anderen doch garantiert auch nicht. Und wenn sie schon kein Zuhälter zwingt, dann zwingt sie eben die Armut. Komisch, dass dann niemand von „Zwangsputzkräften“ oder „Zwangsaltenpflegern“ spricht. Letztere arbeiten bestimmt auch nicht aus Lust und mit Leidenschaft…
(Nicht ohne Grund seufzen einige bei der Arbeit wohlwissentlich, dass sie sich „prostituiert“ haben, ohne dass in ihrem Job jemals Sex erforderlich wäre.)

 

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Wie ausgespuckt

Gerade ist ein Buch erschienen, das mir sehr aus dem Herzen spricht und thematisch gut zu meiner Blog-Parade „Beruf kommt von Berufung?“ passt, die ich letzte Woche veröffentlicht habe.
Zugegeben, ich habe nicht das Buch, jedoch einen Ausschnitt daraus in der Zeitung gelesen. „Feindbild Mutterglück – Warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist“, so der Titel des Buches von Antje Schmelcher.

Die Autorin lebt in Berlin und somit sind ihre Erfahrungen mit dieser Stadt, die auch ich meine Heimat nenne, eng verknüpft. Mit Sicherheit hätte Schmelcher in anderen Landstrichen Deutschlands andere Erfahrungen als Mutter gesammelt. Positivere, denke ich. Doch immerhin trifft frau hier viele Gleichgesinnte 😉 Deshalb hat mich der Text ja so angesprochen: Ich begreife die Autorin als Gleichgesinnte, die genau das auf den Punkt bringt, was ich tagtäglich erlebe, für das ich aber oft keine passenden Worte finde.

Ich zitiere nun ein paar Passagen, die Parallelen zu meinem (Berufs-)Leben bilden:

Ich habe eine typische „Frauenerwerbsbiografie“. Ich habe also nicht Karriere gemacht. Manchmal emfinde ich das als ungeheure Befreiung. Dann wieder fürchte ich, etwas versäumt zu haben. Damals habe ich das Ende meines Angestellten-Daseins als herbe Niederlage empfunden. Wodurch es beendet wurde? Natürlich durch ein Kind.

[…]

Mein Angestellten-Dasein endete, weil ich mit Kind nur das Angebot bekam, auf meine Vollzeitstelle zurückzukehren. Kurz vor Einführung des Teilzeitgesetzes kündigte ich also. Eine ungheure Dummheit! Und eine ungeheure Befreiung. Trotzdem fühlte ich mich wie ausgespuckt, mit Kind war ich nicht mehr „employable“.

[…]

Das Berliner Stadtmagazin „Zitty“ veröffentlichte eine Liste mit Berlins beliebtesten Feindbildern. Darunter die „Übermutti“. Wofür wird sie gehasst? Weil sie stillt, strickt und kocht und sich öffentlich mit ihrem Kind zeigt. Und vor allem: „Ihr Becken gebar den Heiland von morgen, ihre Bedürfnisse haben Vorrang, ihr Kinderwagen hat Vorfahrt.“ Ich fand mich wieder in Comics, Zeitungsartikeln und der Frauen-Ratgeberliteratur: als böse Mutter, Ehrgeizmutter, Übermutter, Latte-Macchiato-Mutter und als Karikatur.

[…]

Trotzdem war das kaum noch denkbar: sich nicht über die Arbeit zu definieren. Ich hatte mich auf ein prekäres Freiberuflertum festgelegt unter dem Stirnrunzeln meiner stets berufstätigen Mutter. Dabei mag ich meinen Beruf sehr gern. Nur ist er in Form einer Festanstellung schwer mit Kindern zu vereinbaren. Und wer nicht vor der Geburt seiner Kinder in Vollzeit angestellt war, kann auf eine Teilzeitstelle lange warten. […] In Wirklichkeit gibt es nur Vereinbarungen zugunsten der einen und zulasten der anderen Seite. Der Rest ist Propaganda. Das alte Korsett aus Kindern, Küche, Kirche ist durch ein neues Korsett aus Kindern, Kita und Karriere ersetzt worden. Eine mutter- und kinderfreundliche Gesellschaft stelle ich mir anders vor.

Schmelcher kommt daraufhin zu dem Schluss, dass uns Frauen heutzutage tatsächlich alle Türen offenstehen: von der Astronautin bis zur Bundeskanzlerin können wir alles werden. Insofern existiert kein Unterschied mehr in den Chancen zwischen Mann und Frau. Es sei denn, die Frau wird schwanger und bringt ein Kind zur Welt. Dann ist er wieder da: der große Unterschied.

 

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Trotz allem: ein Hoch auf die Selbstständigkeit

Die meisten Stellenangebote kommen dann doch unerwartet. Wie ich schon schrieb: die Bewerbungsphase ist abgeschlossen. Gestern kam allerdings wieder eine eMail, ich solle mich melden zwecks Terminvereinbarung für ein Vorstellungsgespräch… Und ich bin hin- und hergerissen, ob ich mir das nicht doch noch mal antun sollte. Geld ist schließlich stets Motivation genug

Schon letzten Freitag war ich zu einem Vorstellungsgespräch im schönen Potsdam eingeladen. Es handelte sich um eine Halbtagsstelle als Sachbearbeiterin (neuerdings Synonym für Sekretärin). Ein Nachzügler wie der obige. Ich wollte mich ja eigentlich voll auf meine Selbstständigkeit konzentrieren.

Das Gespräch verlief vergleichsweise gut. Übung macht eben doch den Meister. Und nach gefühlten 100 Vorstellungsgesprächen in den vergangen 6 Monaten bin ich nun doch ziemlich redegewandt und für jede Frage gewappnet. Meine berufliche Biografie rattere ich mittlerweile aus dem FF runter – und das mit einem entspannten Lächeln auf den Lippen 😉

Ja, mich brachte nichts aus dem Konzept. Nach dem Bewerbungsgespräch war ich deshalb auch nahezu euphorisch. Ich dachte ernsthaft darüber nach, noch durch Park Sanssouci zu schlendern und das gute Wetter zu genießen, entschied mich dann aber doch für die sofortige einstündige Rückfahrt nach Berlin.

Mittlerweile jedoch kriege ich Albträume, wenn ich daran denke, dass die mich nehmen könnten. Denn jetzt, wo es mit der Selbstständigkeit einigermaßen läuft (ich brauchte überhaupt erst mal eine Idee – und die habe ich nun sogar schon umgesetzt), habe ich nicht vor, sie aufzugeben. Arbeit macht plötzlich wieder Spaß. Kurz und gut: ich arbeite gern freiberuflich.
Hinzu kommt der (positive) Fakt, dass sich Arbeit und Familie wunderbar miteinander vereinbaren lassen. Ich fühle mich einfach weniger gestresst und muss auch kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn ich meine Kinder fremdbetreuen lasse. Denn nachmittags bin ich ja wieder für sie da, und zwar zu 100%.

 

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Selbstständigkeit versus Festanstellung

Die Bewerbungsphase ist abgeschlossen, soll heißen: Ich bewerbe mich nicht mehr. Auch wenn mich Zeitarbeitsfirmen anrufen, weil sie neue Einsätze für mich haben – natürlich begrenzt auf wenige Wochen oder Monate – lehne ich ab.

So etwas nehmen sie einem übel. Da sind sie wirklich nachtragend. Wenn man einmal sagt „Nee, für zwei Monate lohnt sich der Aufwand nicht. Ich bin nur an längerfristigen Angeboten interessiert.“, kann man mit Gewissheit davon ausgehen, dass sie sich nie wieder bei einem melden.

Tja, so ist das halt. Ich habe es akzeptiert – und ich habe auch meine eigene Haltung dazu endlich akzeptiert und keine Gewissensbisse mehr, wenn ich derlei Angebote ablehne.

Nun denn, zurück zur Selbstständigkeit. Es hat mich Einiges an Überwindung gekostet, mir einzugestehen, dass es keinen anderen Ausweg gibt. Für mich war die Selbstständigkeit (oder Freiberuflichkeit) zwar immer schon eine verlockende Option – einfach weil ich supergern an eigenen Projekten arbeite. Aus finanzieller Sicht fand und finde ich sie jedoch äußerst unattraktiv.

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