Die ausstehende Entscheidung

So viel Input, aber keine Zeit zum Schreiben. Mittlerweile bin ich vollständig eingearbeitet und habe doch kontinuierlich zu tun. Selbst jetzt vor Weihnachten. Vielleicht ist mir die Arbeit auch wichtiger geworden und ich ignoriere die etwas lästigen Aufgaben nicht mehr – wie vor zwei Monaten, als ich noch fleißig gebloggt habe.

Die Arbeit ist mir tatsächlich wichtiger geworden, weil mir in Aussicht gestellt wurde, hier zu bleiben. In dieser Woche nun soll sich entscheiden, in welchem Arbeitsverhältnis und auf welcher Position. Denn dass ich weiterhin Sekretärin bleibe, ist wohl keine Option. Hierzu folgende „Anekdote“:

Ich vertrat bisher eine Sekretärin, die krankheitsbedingt fehlte. Diese kündigte allerdings zum 31.12. und die Geschäftsführung sucht nun Ersatz. Da eine Kündigungsfrist von drei Monaten besteht, steht die Kündigung schon seit geraumer Zeit fest. Dies ließ die Geschäftsführung allerdings nicht durchsickern. Anstatt gleich aktiv nach einem passenden Ersatz zu suchen, wartete man zwei Monate, bis man einer Kollegin und mir einen Vorschlag unterbreitete. Dieser Vorschlag mutete auf den ersten Blick seltsam an, kam mir aber entgegen, denn er sah vor, dass meine Kollegin, Frau P., Sekretärin werden würde, ich hingegen ihren jetzigen Job bekommen sollte.

Frau P. ist Sachbearbeiterin in einem anderen Unternehmensbereich. Sie hat bislang nur auf ein Jahr befristete Arbeitsverträge erhalten. Weil jedoch alle sehr zufrieden mit ihr sind, wollte man ihr den Gefallen tun, sie unbefristet als Sekretärin einzustellen. Da ihre Stelle damit frei werden würde, hätte man auch gleich etwas Passendes für mich gehabt.

Nun steht Frau P.‘s Entscheidung seit drei Wochen aus. Tatsächlich scheint sie wenig erfreut über diese Job-Option.
Die Geschäftsführung dachte, sie tue ihr damit einen Gefallen, stattdessen quält sich die arme Frau – und ich mich mit ihr.

Bis gestern wusste ich nicht, wie es weitergehen sollte. Würde ich weiter im Verband arbeiten oder hätte ich vorerst gar keinen Job mehr? Und wenn ich im Verband verbliebe, auf welcher Position würde ich dann arbeiten? Was würde die Sachbearbeiterstelle überhaupt mit sich bringen? Ich habe weder eine Tätigkeitsbeschreibung bekommen noch Details wie Gehalt und Zuständigkeiten.

Darüber möchte ich mich gar nicht beschweren. In der Zeitarbeit wird man ja ganz oft ins kalte Wasser gestoßen. Man weiß nie, was ein neuer Job bringt – und leider kann man es sich auch nicht wirklich aussuchen. Das heißt, theoretisch kann man Jobangebote, die einem die Zeitarbeitsfirma unterbreitet, ablehnen. Das habe ich einmal getan und wurde daraufhin sehr unfreundlich zurechtgewiesen. Letztlich hieß es von Seiten der DIS AG einfach: „Na dann müssen wir den Vertrag mit Ihnen auflösen.“
So viel also zum unbefristeten Arbeitsverhältnis bei der DIS AG.
Aber das ist eine andere Geschichte. Es ging damals um meinen Wunsch nach einer Teilzeitstelle, den die Zeitarbeitsfirma nicht erfüllen konnte oder wollte.

Wie auch immer, ich habe mit meinem Chef telefoniert und er hat sich zu mir bekannt, was mir sehr gut tat. Ich weiß nun, dass es weitergehen wird – irgendwie. Letztlich ist es mir sogar egal, welche Bedingungen damit verknüpft sind, wobei mir klar ist, dass ich mich mit dieser Einstellung unter Wert verkaufe. Was mache ich wohl, wenn mir weniger Gehalt angeboten wird als jetzt? Ist es das dann immer noch wert?

Zugegeben, die Kollegen, die ich bislang kennen gelernt habe, haben auf mich keinen durchweg positiven Eindruck gemacht. Es gibt nur zwei Menschen hier, mit denen ich mich unumwunden gut verstehe, einer davon ist mein Chef.

Momentan bin ich etwas ratlos. So richtig weiß ich nicht weiter. Aber befinde ich mich in der Lage, wählerisch zu sein?

Advertisements

Exkurs: mein erster Job bei ’ner Bank

Gut, auch im weiteren Tagesverlauf wird es nicht stressiger. Im Gegenteil. Ich kann also wieder bloggen und greife auf vergangenen Input zurück:

mein erster Job über Zeitarbeit bei der Bank of Scotland (nicht zu verwechseln mit der Royal Bank of Scotland)

Es handelte sich um eine Sachbearbeiterstelle, die für drei Monate ausgelegt war, in denen wir den niederländischen Kundenservice unterstützen sollten. „Wir“ waren knapp 20 Zeitarbeiter. Eine Hauruckaktion, weil die Bank in Zeitnot war.

Die Tätigkeit lässt sich gut mit dem Zitat eines Zeitarbeiterkollegen zusammenfassen:

„Erst 10 Jahre Schule, danach 3 Jahre Ausbildung – und dann KYC 2.“

KYC 2 bezeichnet die Software, die wir verwendeten: Know Your Customer. Ein CRM, in dem alle Kundendaten verwaltet werden.
Wir Zeitarbeiter durften das umfangreiche Tool jedoch nur oberflächlich kennen lernen. Hierfür gab es eine zweitägige Schulung, die schönsten zwei Tage übrigens von den schlussendlich (und Gott sei Dank!) nur 2,5 Monaten bei der BoS.

Festzuhalten ist, dass es tatsächlich nur zweier Tage Schulung bedurfte, um bei der BoS zu arbeiten. Die folgenden 2,5 Monate waren eine unaufhörliche Wiederholung der Prozesse, die wir in der Schulung gelernt hatten. Es war, um es euphemistisch zu formulieren, extrem repetitiv.

Ich bin jedoch kein Fan von Euphemismen, also Klartext:

Ich konnte förmlich spüren, wie mein Hirn im Laufe des Arbeitstages auf die Größe einer Walnuss schrumpfte. Am Ende des Tages fühlte ich mich einfach nur noch leer. Kaum zu glauben, aber es ist tatsächlich sehr anstrengend, acht Stunden lang einer stupiden Aufgabe nachzugehen. Denn man muss trotzdem konzentriert arbeiten – und das kontinuierlich. Eigentlich pausenlos. Es sei denn, man gehörte zu den Rauchern, die sich stündlich ein Pause gönnten.

Wir saßen in einem Großraumbüro, etwa 50 Männer und Frauen, Vorgesetzte, Chefs, Angestellte, Zeitarbeiter, studentische Hilfskräfte. Alles zusammen. Jeder konnte jdem auf den Bildschirm glotzen und somit genau erkennen, ob man arbeitete oder nicht. Persönliche Gespräche waren natürlich auch nicht drin, denn alle im Umkreis konnten ja mithören.

Der perfekte Arbeitsplatz aus Sicht eines Arbeitgebers.

Deshalb – und weil ALLE Webseiten mit persönlichem Account gesperrt waren, konnte ich nicht bloggen. Ich habe allerdings hin und wieder ein paar handschriftliche Notizen gemacht und werde diese wohl noch nachträglich in meinen Blog einfügen (sofern ich das Notizbuch finde).

Jedenfalls, wenn man so dabei ist, sich an die Arbeit, die Kollegen und alle Gegebenheiten gewöhnt hat (ja, man gewöhnt sich tatsächlich daran), erscheint einem dieser Zustand tatsächlich als normal. Man schätzt seine Arbeit sogar ein bisschen, immerhin verdient man Geld und überhaupt: es hätte einen ja noch schlimmer treffen können. Irgendein Kollege hatte dort immer ein paar Geschichten mit vergangenen Horrorjobs parat…

Da es mir vergönnt war, nach 2,5 Monaten Lebwohl zu sagen und einen neuen Job in Angriff zu nehmen, habe ich auch die Möglichkeit zurückzublicken und den Sachbearbeiterjob bei der BoS etwas objektiver zu betrachten:

Es war ein Horrorjob*.

*Zumindest für all jene, die ihr Hirn nicht abschalten und dabei zusehen möchten, wie es verkümmert.