Das Leben ist zu kurz für nur eine Karriere. Oder?

Boah, ich tu mich echt schwer mit dem Verfassen halbwegs journalistischer Texte. Darf echt keinem verraten, dass ich Journalistik studiert habe. Schon seit Tagen schiebe ich diesen Artikel vor mir her, weil ich keinen Einstieg finde und keinen Hauptteil und kein Ende. Gar nichts. Tagebucheinträge sind dagegen babyeierleicht.

ABER ich habe Kinder und ich bin berufstätig und ich habe deshalb gar keine Zeit zum Nachdenken. Man nehme es mir also nicht übel, wenn ich zum informellen Schreibstil zurückkehre:

Eigentlich wollte ich über Zach Klein schreiben, einen Start-Up-Millionär, der eine ganz ähnliche Lebens- und Arbeitseinstellung hat wie ich – und trotzdem so weit gekommen ist.

Ich verweise jetzt einfach mal auf das Magazin Brand1, das bereits einen Artikel über ebendiesen Erfolgsmenschen veröffentlicht hat. Schon nach dem Lesen der ersten Sätze wusste ich: Diesen Kerl muss ich auch in meinem Blog thematisieren! Denn er scheint tatsächlich ein bisschen so zu ticken wie ich.

Klein ist so alt wie ich, hat aber ein wesentlich beeindruckenderes berufliches Portfolio vorzuweisen (u.a. hat er die Videoplattform Vimeo ins Leben gerufen). Dass er das geschafft hat, trotz seiner eher unsteten Art, ist beeindruckend. Deshalb zitiere ich im Folgenden ein paar Lebensweisheiten, die er im Interview mit Brand1 geäußert hat:

Genau so, als Entdeckungsreise, sollte jeder sein Leben leben, sagt er. „Es ist verrückt, dass sich Menschen in ihrer Karriere eingesperrt fühlen. Sie haben das Wissen gratis vor der Nase, um mehr aus sich zu machen, aber sind zu Geiseln des Geldes und all dessen geworden, was sie in ihren Werdegang gesteckt haben. Diese Investitionen rentieren sich längst nicht mehr für sie – es gibt weder eine Rendite in Sachen Leidenschaft noch in finanzieller Hinsicht. Wir haben den Punkt erreicht“, an dem man sich nicht mehr auf eine Kariere fürs ganze Leben verlassen kann. Wer Erfolg hat, schiebt sich früher oder später selber ins Aus.“ Je weiter man es bringe, umso weniger habe die Arbeit mit Kreativität oder Spaß zu tun: „Man wird ein Manager, man entwickelt ein Ego, man ist erfahren. Und man hört auf, neue Dinge zu tun und Neues zu lernen.“

Was nach Rastlosigkeit klingt, ist für Klein Lebensart. „Meine Firmen fallen in eine von zwei Kategorien. Entweder sind es vernünftige Ideen, deren Zeit gekommen ist und die man einfach jetzt umsetzen muss. Oder es sind autobiografische Firmen wie Vimeo, bei denen mich meine Leidenschaft und Erfahrung antreiben.“ Lassen sich Pragmatismus und Passion so säuberlich trennen? Klein denkt nach: „Nicht immer. Ich will auch nichts beschönigen: Manchmal geht man, weil es nicht funktioniert oder man mit anderen Leuten nicht so gut klarkommt.“

Am Ende muss Arbeit einfach Spaß machen, davon ist Klein überzeugt. Falls nicht, muss man sein Zelt woanders aufschlagen.

Gegen Ende des Brand1-Artikels wird jedoch klar, dass auch ein Zach Klein nicht alle paar Monate oder Jahre woanders arbeiten möchte. Er war auf der Suche nach dem optimalen Job und ist trotz seines Erfolgs nie wirklich angekommen. Seine herausragende Leistung bestand nun darin, dass er sich von seinem Erfolg und dem damit verbundenen Geld nicht einlullen lassen hat (so gesehen als Kompensation zur mangelnden Sinnhaftigkeit seiner vergangenen Jobs). Er ist stattdessen weitergezogen. Zum nächsten Start-Up.

Mittlerweile ist Klein fündig geworden. Er arbeitet bei einer – selbstverständlich eigens gegründeten – Do-it-yourself-Plattform (DIY Co) und ist sehr zufrieden mit seiner Tätigkeit. Laut eigener Aussage kann er sich vorstellen, mindestens zehn Jahre dort zu arbeiten. Das will schon was heißen.

Was lernen wir nun daraus? -Dass auch ein rastloser Mensch nur ein Ziel hat, nämlich sesshaft zu werden?
Letztlich widerspricht Klein seiner vormals gelebten Attitüde, immer weiterzuziehen, um Neues zu lernen, den Horizont zu erweitern. Er ist nur deshalb gegangen, weil ihn seine vormligen Jobs aus welchen Gründen auch immer keinen Spaß mehr gemacht haben.

Einige Menschen werden eher fündig, andere später. Wieder andere nie. Das muss nicht heißen, dass sie unglücklich sind. Sie haben sich lediglich arrangiert, sind Kompromisse eingegangen. Ich weiß nicht, ob man das so schlecht finden muss. Es ist nur weniger konsequent. Oder?