Wie ausgespuckt

Gerade ist ein Buch erschienen, das mir sehr aus dem Herzen spricht und thematisch gut zu meiner Blog-Parade „Beruf kommt von Berufung?“ passt, die ich letzte Woche veröffentlicht habe.
Zugegeben, ich habe nicht das Buch, jedoch einen Ausschnitt daraus in der Zeitung gelesen. „Feindbild Mutterglück – Warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist“, so der Titel des Buches von Antje Schmelcher.

Die Autorin lebt in Berlin und somit sind ihre Erfahrungen mit dieser Stadt, die auch ich meine Heimat nenne, eng verknüpft. Mit Sicherheit hätte Schmelcher in anderen Landstrichen Deutschlands andere Erfahrungen als Mutter gesammelt. Positivere, denke ich. Doch immerhin trifft frau hier viele Gleichgesinnte 😉 Deshalb hat mich der Text ja so angesprochen: Ich begreife die Autorin als Gleichgesinnte, die genau das auf den Punkt bringt, was ich tagtäglich erlebe, für das ich aber oft keine passenden Worte finde.

Ich zitiere nun ein paar Passagen, die Parallelen zu meinem (Berufs-)Leben bilden:

Ich habe eine typische „Frauenerwerbsbiografie“. Ich habe also nicht Karriere gemacht. Manchmal emfinde ich das als ungeheure Befreiung. Dann wieder fürchte ich, etwas versäumt zu haben. Damals habe ich das Ende meines Angestellten-Daseins als herbe Niederlage empfunden. Wodurch es beendet wurde? Natürlich durch ein Kind.

[…]

Mein Angestellten-Dasein endete, weil ich mit Kind nur das Angebot bekam, auf meine Vollzeitstelle zurückzukehren. Kurz vor Einführung des Teilzeitgesetzes kündigte ich also. Eine ungheure Dummheit! Und eine ungeheure Befreiung. Trotzdem fühlte ich mich wie ausgespuckt, mit Kind war ich nicht mehr „employable“.

[…]

Das Berliner Stadtmagazin „Zitty“ veröffentlichte eine Liste mit Berlins beliebtesten Feindbildern. Darunter die „Übermutti“. Wofür wird sie gehasst? Weil sie stillt, strickt und kocht und sich öffentlich mit ihrem Kind zeigt. Und vor allem: „Ihr Becken gebar den Heiland von morgen, ihre Bedürfnisse haben Vorrang, ihr Kinderwagen hat Vorfahrt.“ Ich fand mich wieder in Comics, Zeitungsartikeln und der Frauen-Ratgeberliteratur: als böse Mutter, Ehrgeizmutter, Übermutter, Latte-Macchiato-Mutter und als Karikatur.

[…]

Trotzdem war das kaum noch denkbar: sich nicht über die Arbeit zu definieren. Ich hatte mich auf ein prekäres Freiberuflertum festgelegt unter dem Stirnrunzeln meiner stets berufstätigen Mutter. Dabei mag ich meinen Beruf sehr gern. Nur ist er in Form einer Festanstellung schwer mit Kindern zu vereinbaren. Und wer nicht vor der Geburt seiner Kinder in Vollzeit angestellt war, kann auf eine Teilzeitstelle lange warten. […] In Wirklichkeit gibt es nur Vereinbarungen zugunsten der einen und zulasten der anderen Seite. Der Rest ist Propaganda. Das alte Korsett aus Kindern, Küche, Kirche ist durch ein neues Korsett aus Kindern, Kita und Karriere ersetzt worden. Eine mutter- und kinderfreundliche Gesellschaft stelle ich mir anders vor.

Schmelcher kommt daraufhin zu dem Schluss, dass uns Frauen heutzutage tatsächlich alle Türen offenstehen: von der Astronautin bis zur Bundeskanzlerin können wir alles werden. Insofern existiert kein Unterschied mehr in den Chancen zwischen Mann und Frau. Es sei denn, die Frau wird schwanger und bringt ein Kind zur Welt. Dann ist er wieder da: der große Unterschied.

 

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Unterm Mühlstein

Ich bin frei.
Zumindest war heute mein letzter Arbeitstag und ich habe nichts Neues in Aussicht. Was kommt, ist ungewiss. Von Ungewissheit kriege ich Pickel. Insofern kann ich meine erzwungenen Ferien nur eingeschränkt genießen. Schön ist es aber trotzdem, einfach mal das tun zu können, was einem wirklich am Herzen liegt. In einer solchen Situation war ich schon lange nicht mehr.

  • Ich schreibe also – und ich schreibe nicht nur so zwischendurch, sondern kann laaange nachdenken.
  • Ich werde mit meinem Sohn endlich mal ins Museum gehen und in eine Galerie seiner Wahl.
  • Ich werde die Urlaubsvideos der letzten Jahre zusammenschneiden.

Obwohl ich erleichtert bin, den Verband verlassen zu können, war der Abschied nicht leicht. Ich konnte die Tränen kaum zurückhalten. Damit habe ich mich selbst überrascht. Zwar bin ich seit jeher nah am Wasser gebaut, neige aber nicht zu Sentimentalitäten. Besonders eng befreundet war ich mit meinen KollegInnen dort auch nicht, wenngleich ich sie sehr sympathisch fand.

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Meine Kollegin mag mich nicht mehr

Und ich habe keine Ahnung, was vorgefallen ist, dass es dazu kommen musste.

Doch offenkundig ist etwas vorgefallen, denn bis vor kurzem mochte sie mich ja noch. Sie kam immer in mein Büro und fing an, zu schnacken. Das war nicht immer interessant, aber immerhin eine Abwechslung zum unterfordernden Charakter der Sekretärinnentätigkeiten. Jetzt grüßt sie nur noch kühl und sucht nach Dingen, die sie an mir kritisieren kann. Ich bin mir keines Faux-Pas bewusst – und normalerweise fallen mir eigene Fehler sofort auf und sind mir sehr unangenehm. Doch diesmal muss ich einem Vorfall keinerlei Bedeutung beigemessen haben, sie aber schon.

Überhaupt werde ich nicht von allen gemocht. Natürlich kann man nie allen gefallen, theoretisch weiß und akzeptiert man das. Aber wenn man es dann tatsächlich merkt, ist das schon deprimierend. Denn man hat ja keinen Einfluss darauf. Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht – und schwupps bist du unten durch.
So passiert mit meinem dritten Chef, mit dem ich glücklicherweise nicht oft zu tun habe. Er kritelt aber auch andauernd an mir herum. Es handelt sich Kleinigkeiten, aber sie werden mit einer solchen Vehemenz kritisiert, dass ich noch Stunden danach gedanklich damit beschäftigt bin.

Warum müssen es einige Leute einen immer wissen lassen, dass sie nichts mit einem anfangen können? Wenn ich jemanden nicht mag, gehe ich ihm aus dem Weg und lässt sich das Ausdemweggehen nicht vermeiden, so lächle ich trotzdem nett und bleibe freundlich. Wozu jemanden den Tag vermiesen?

Überhaupt ist die Halbwertszeit in diesem Job überschritten. Über zwei Monate arbeite ich nun schon hier. Stets dachte ich, da kommt noch was, da ist noch mehr. Das ist erst der Anfang. Und tatsächlich kam noch was, aber so wenig und in keinster Weise anspruchsvoller, dass mich die Arbeit einfach nicht mehr motiviert. Ich hänge durch. In einem Monat läuft mein Vertrag hier aus – und ich bedaure es nicht.

Zusätzlich wird meine Motivation dadurch gedämpft, dass ebendiese mich nicht mehr mögende Kollegin wiederholt darauf hinweist, dass ich auf keinen Fall übernommen werde, „selbst wenn die Krankheit von Frau O. von längerer Dauer sein sollte“. Denn ich kann ja nur bis 16.00 Uhr arbeiten, das sei aber inakzeptabel für diesen Job.

Komisch, dabei habe ich höchstens den Vormittag über etwas zu tun, den Rest des Tages verbringe ich damit, zu bloggen und Bewerbungen zu schreiben. (Insofern verdiene ich es wohl auch gar nicht, übernommen zu werden – mein Engagement hält sich zugegebenermaßen in Grenzen.)