Ich weiß nicht, was ich wollen soll

I’m a copy cat.

Aber ich kopiere nur, weil ich den Titel so sagenhaft zutreffend finde – und lustig. Mittlerweile habe ich das gesamte Buch durch. Lustig war es dann doch nicht, jedoch aufschlussreich. Ich möchte sogar behaupten, dieses Buch kam einer Erleuchtung gleich:

Ich weiß nicht, was ich wollen soll

„Ich weiß nicht, was ich wollen soll – Warum wir uns so schwer entscheiden können und wo das Glück zu finden ist“ von Bas Kast

So treffend der Titel, so unglücklich aber der Untertitel. Der hätte mich beinahe um die Lektüre dieses Buches gebracht. Ein Glücksratgeber, na, das klingt ja vielversprechend…

Kast hat aber gerade keinen Ratgeber geschrieben. Sein Buch ist eine Bestandsaufnahme, eine Analyse mit anschließender Bewertung. Ein Sittenbild.
Aufhänger ist der in unserer westlichen Gesellschaft wie ein Virus um sich greifende Unwille, sich festzulegen. Wir wollen auf nichts verzichten, geraten bei der Umsetzung des „Alles-oder-Nichts“ aber ganz schön ins Schwitzen (ergo Stress). Kast ergründet, weshalb wir trotz Freiheit und Wohlstand nicht so glücklich sind, wie wir es sein müssten. Ganz im Gegenteil, wir sind deprimiert, fühlen uns gehetzt.

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Exkurs: mein erster Job bei ’ner Bank

Gut, auch im weiteren Tagesverlauf wird es nicht stressiger. Im Gegenteil. Ich kann also wieder bloggen und greife auf vergangenen Input zurück:

mein erster Job über Zeitarbeit bei der Bank of Scotland (nicht zu verwechseln mit der Royal Bank of Scotland)

Es handelte sich um eine Sachbearbeiterstelle, die für drei Monate ausgelegt war, in denen wir den niederländischen Kundenservice unterstützen sollten. „Wir“ waren knapp 20 Zeitarbeiter. Eine Hauruckaktion, weil die Bank in Zeitnot war.

Die Tätigkeit lässt sich gut mit dem Zitat eines Zeitarbeiterkollegen zusammenfassen:

„Erst 10 Jahre Schule, danach 3 Jahre Ausbildung – und dann KYC 2.“

KYC 2 bezeichnet die Software, die wir verwendeten: Know Your Customer. Ein CRM, in dem alle Kundendaten verwaltet werden.
Wir Zeitarbeiter durften das umfangreiche Tool jedoch nur oberflächlich kennen lernen. Hierfür gab es eine zweitägige Schulung, die schönsten zwei Tage übrigens von den schlussendlich (und Gott sei Dank!) nur 2,5 Monaten bei der BoS.

Festzuhalten ist, dass es tatsächlich nur zweier Tage Schulung bedurfte, um bei der BoS zu arbeiten. Die folgenden 2,5 Monate waren eine unaufhörliche Wiederholung der Prozesse, die wir in der Schulung gelernt hatten. Es war, um es euphemistisch zu formulieren, extrem repetitiv.

Ich bin jedoch kein Fan von Euphemismen, also Klartext:

Ich konnte förmlich spüren, wie mein Hirn im Laufe des Arbeitstages auf die Größe einer Walnuss schrumpfte. Am Ende des Tages fühlte ich mich einfach nur noch leer. Kaum zu glauben, aber es ist tatsächlich sehr anstrengend, acht Stunden lang einer stupiden Aufgabe nachzugehen. Denn man muss trotzdem konzentriert arbeiten – und das kontinuierlich. Eigentlich pausenlos. Es sei denn, man gehörte zu den Rauchern, die sich stündlich ein Pause gönnten.

Wir saßen in einem Großraumbüro, etwa 50 Männer und Frauen, Vorgesetzte, Chefs, Angestellte, Zeitarbeiter, studentische Hilfskräfte. Alles zusammen. Jeder konnte jdem auf den Bildschirm glotzen und somit genau erkennen, ob man arbeitete oder nicht. Persönliche Gespräche waren natürlich auch nicht drin, denn alle im Umkreis konnten ja mithören.

Der perfekte Arbeitsplatz aus Sicht eines Arbeitgebers.

Deshalb – und weil ALLE Webseiten mit persönlichem Account gesperrt waren, konnte ich nicht bloggen. Ich habe allerdings hin und wieder ein paar handschriftliche Notizen gemacht und werde diese wohl noch nachträglich in meinen Blog einfügen (sofern ich das Notizbuch finde).

Jedenfalls, wenn man so dabei ist, sich an die Arbeit, die Kollegen und alle Gegebenheiten gewöhnt hat (ja, man gewöhnt sich tatsächlich daran), erscheint einem dieser Zustand tatsächlich als normal. Man schätzt seine Arbeit sogar ein bisschen, immerhin verdient man Geld und überhaupt: es hätte einen ja noch schlimmer treffen können. Irgendein Kollege hatte dort immer ein paar Geschichten mit vergangenen Horrorjobs parat…

Da es mir vergönnt war, nach 2,5 Monaten Lebwohl zu sagen und einen neuen Job in Angriff zu nehmen, habe ich auch die Möglichkeit zurückzublicken und den Sachbearbeiterjob bei der BoS etwas objektiver zu betrachten:

Es war ein Horrorjob*.

*Zumindest für all jene, die ihr Hirn nicht abschalten und dabei zusehen möchten, wie es verkümmert.