Amerikanische Zustände

Eine Antwort auf Posts und Kommentare, wie diesen: http://www.schlaflose-muttis.de/2014/05/was-abtreibung-wirklich-bedeutet-ein.html#more, verfasst von Abtreibungsgegnern.

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eine stille Demonstration der Pro-Life-Bewegung in den USA

Da der deutsche Gesetzgeber entschieden hat, dass Abtreibungen bis zur 12. Schwangerschaftswoche erlaubt sind (oder zumindest nicht unter Strafe stehen), ja sogar unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse bezahlt werden, ist ein Schwangerschaftsabbruch ethisch nicht bedenklich. So lautet zumindest meine Meinung.

Die Gegner der Abtreibung sehen das natürlich anders – und das ist auch ihr gutes Recht. Ich schreibe diesen Post nicht, um mich auf eine Diskussion einzulassen, die ergebnislos enden würde. Ich schreibe diesen Post, um daran zu erinnern, dass die Abtreibung ein Recht ist, das uns allen zusteht, egal welche Einstellung wir zur Abtreibung haben. Dieses Recht ist eine Errungenschaft, für die jahrelang gekämpft werden musste. Dieses Recht macht uns, wie so viele andere, ein Stückchen freier. Es obliegt nun uns, eine Entscheidung für oder gegen ein Kind zu treffen, nicht dem Staat oder irgendeiner anderen Institution.

Niemand muss tolerant sein. Toleranz ist ein Wesenszug, der nicht allen Menschen innewohnt. Es gibt sogar Leute, die generell gegen Toleranz sind, Neonazis genannt. Sie gehen auf die Straße, um zu zeigen, wie wenig einverstanden sie mit einer Gesellschaft sind, die Rechte vorsieht für z.B. Homosexuelle.

Nun haben wir eine neue intolerante Gruppierung. Abtreibungsgegner (bzw. „Lebensschützer“) nennen sie sich. Auch sie organisieren Märsche, auf denen sie ihre Meinung kundtun und gegen das Recht auf Abtreibung protestieren. Ihre Argumente sind human, schließlich setzen sie sich für das ungeborene Leben ein. In ihrem Wunsch, ein Stück Freiheit wieder abzugeben (nämlich das Recht auf den Schwangerschaftsabbruch), agieren sie allerdings undemokratisch. Das, was sie sich für sich selbst nicht vorstellen können, gestehen sie auch anderen nicht zu.

Mir ist ein wenig mulmig zumute angesichts dieser Entwicklung. Werden auch sie bald vor den Praxen der Gynäkologen stehen und ihre Plakate schwänken, so wie es in den USA schon lange der Fall ist? In einigen Internetforen werden jedenfalls schon regelrechte Kriege ausgetragen.

Wenn sie sich doch nur mit solchem Engagement für Kinder einsetzen würden, die tatsächlich Hilfe und Unterstützung benötigen. Kinder, die bereits auf der Welt sind.
An diese aber denken sie nicht. Insofern stelle ich mir die Frage, um was es den Abtreibungsgegnern wirklich geht. Vordergründig zwar um die Verteidigung des wehrlosen Ungeborenen (fremder Frauen), doch nicht wirklich um das Kindeswohl. Potentielles Leben wird somit höher gewertet als bestehendes Leben. Dass Abtreibungsgegner gemeinnützig oder gar menschlich denken und handeln, bezweifle ich somit.

Es geht ihnen lediglich ums Prinzip, um eine Theorie davon, wann das menschliche Leben beginnt und zu schützen ist. Damit stehen sie allerdings im Widerspruch zum Gesetzgeber, der ebendiese Frage bereits beantwortet hat.

Ich schätze, die „Lebensschützer“ sehen sich daher wie im Kampf von David gegen Goliath. Wir gegen das Böse. Mit Sicherheit verheißen ihre Märsche eine zusätzliche Portion Adrenalin im Blut. Schließlich tauchen zumeist auch die Abtreibungsbefürworter auf und man kann sich gegenseitig – zumindest verbal – zerfleischen. Für gottesfürchtige Menschen (angeblich sind die Abtreibungsgegner Christen, dies kann ich allerdings nicht nachweisen) ist dies wahrscheinlich eine willkommene Abwechslung zum drögen Alltag in einem Industrieland, das sich nicht im offiziellen Krieg befindet.

Mein Fazit lautet in Folge dessen: Die Suche und das Auffinden eines Feindes hat für Abtreibungsgegner oberste Priorität. Man möchte einen Glaubenskrieg ausfechten. Das immer noch tabuisierte Thema Abtreibung eignet sich hierfür optimal, denn die Leute reagieren darauf sensibel. Jeder kann die Argumente der Abtreibungsgegner nachvollziehen. Sie appellieren an das Mitgefühl und verteufeln dabei die Abtreibung als Untat.

In einem Forum der TAZ fasste es jemand folgendermaßen zusammen:

Es appelliert sich viel leichter an vom Zwiespalt geplagte Schwangere als an Diktatoren oder abstrakte Phänomene wie Hunger oder Bildungsnotstand.

Aha, man sucht sich also den willfährigsten Feind. Einer, der sich nicht wehren kann, weil er dank Tabuisierung nicht einmal über sein Vorhaben sprechen kann, geschweige denn, es in der Öffentlichkeit verteidigen will. Somit werde ich wieder in meiner Annahme bestärkt, dass die „Lebensschützer“ nicht sozial handeln, sondern einzig und allein auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, nämlich ihre verquere Moral zu verbreiten.

Gott sei Dank leben wir in einem Land, dessen Bürger von Kindesbeinen an dazu erzogen werden, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, und nicht auf religiöse Dogmen zu vertrauen.

Mit Sicherheit trägt jede Frau unbewusst eine Antwort auf die schwierige Frage, ob ein ungeborenes Leben beendet werden darf, im Herzen. Und so unterschiedlich wir Frauen sind, so unterschiedlich fallen unsere Meinungen dazu aus. Klar beantwortet wurde die Frage jedenfalls vom Gesetzgeber – und dass dieser sich umfassend mit dem Thema Abtreibung beschäftigt hat, davon können wir ausgehen.

Wie wir uns letztendlich entscheiden, liegt in unserer Hand. Lassen wir uns die Entscheidung nicht abnehmen!

Bild: Wikipedia

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Freiheit dank Konsum – wie das Einkaufen glücklich machen kann und trotzdem kritisch zu betrachten ist

Den Kommentaren zum vorherigen Artikeln entnehme ich ein gewisses Interesse am Thema Konsum. Deshalb will ich meine Gedanken dazu ein wenig vertiefen.

Ich stehe den momentan propagierten Konsumvorstellungen eher skeptisch gegenüber. Die Gründe dafür sind einfach: Ich lege Nützlichkeitserwägungen an den Tag. Soll heißen, ich bin völlig pragmatisch und kaufe nur, was ich wirklich brauche*. Außerdem habe ich eh kaum Geld.

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Anfangs habe ich die Leute, die aus Prestigegründen kaufen (Marken- und Luxusartikel) immer belächelt. Meine Einstellung hatte zugegebenermaßen etwas Überhebliches: Für mich waren diese Leute einfach dumme Schafe, die sich Selbstwertgefühl erkaufen müssen. Bestes Beispiel: Berufsanfänger, die noch bei Mami & Papi wohnen, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten können, sich aber einen Benz leasen.
(Tatsächlich kaufen sich gerade Menschen, die gesellschaftlich um Anerkennung kämpfen, mit Luxusprodukten auch ein Stückchen Würde. Das mag ich nicht verurteilen.)

Mittlerweile habe ich mich ein wenig mit dem Thema des Konsumierens beschäftigt und habe nun Verständnis für all jene, die gern shoppen. Auch Luxusartikel. Meine Mutter zum Beispiel liebt den Einkaufsbummel über alles. Zu DDR-Zeiten verdiente sie sehr wenig, nach der Wende lief es immer besser. Mittlerweile kann sie sich alles kaufen, was sie will. Und das zelebriert sie so richtig.

Meistens trifft sie sich mit einer Freundin und dann fahren sie gemeinsam nach Berlin, gehen schön essen und bald darauf shoppen bis die Hacken glühen. Danach fahren sie erschöpft, aber glücklich und um einige teure Schuhe und Klamotten reicher zurück nach Hause. Und schwelgen noch Tage danach in schönen Erinnerungen an ihren schönen Shopping-Tag.

Insofern möchte ich mal behaupten, das Einkaufen beschert dem Konsumenten ein Gefühl der Freiheit und des Glücks.

Leider schwindet dieses Glück schon bald. Ob das bei meiner Mutter so ist, kann ich nicht mit 100%iger Sicherheit sagen. Dafür spricht aber, dass sie nicht nur Shopping-Queen, sondern auch die Königin des Wegwerfens ist. Sie schafft gern Platz und trauert keinem einzigen Stück nach, das sie in der Altkleidersammlung oder im normalen Müll versenkt. Auch ich empfinde ein Kleidungsstück nur in Ausnahmefällen über Jahre hinweg schön. I.d.R. schwindet der Reiz schon kurz nach dem Kauf.

 

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Ich weiß nicht, was ich wollen soll

I’m a copy cat.

Aber ich kopiere nur, weil ich den Titel so sagenhaft zutreffend finde – und lustig. Mittlerweile habe ich das gesamte Buch durch. Lustig war es dann doch nicht, jedoch aufschlussreich. Ich möchte sogar behaupten, dieses Buch kam einer Erleuchtung gleich:

Ich weiß nicht, was ich wollen soll

„Ich weiß nicht, was ich wollen soll – Warum wir uns so schwer entscheiden können und wo das Glück zu finden ist“ von Bas Kast

So treffend der Titel, so unglücklich aber der Untertitel. Der hätte mich beinahe um die Lektüre dieses Buches gebracht. Ein Glücksratgeber, na, das klingt ja vielversprechend…

Kast hat aber gerade keinen Ratgeber geschrieben. Sein Buch ist eine Bestandsaufnahme, eine Analyse mit anschließender Bewertung. Ein Sittenbild.
Aufhänger ist der in unserer westlichen Gesellschaft wie ein Virus um sich greifende Unwille, sich festzulegen. Wir wollen auf nichts verzichten, geraten bei der Umsetzung des „Alles-oder-Nichts“ aber ganz schön ins Schwitzen (ergo Stress). Kast ergründet, weshalb wir trotz Freiheit und Wohlstand nicht so glücklich sind, wie wir es sein müssten. Ganz im Gegenteil, wir sind deprimiert, fühlen uns gehetzt.

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