Selbstständigkeit versus Festanstellung

Die Bewerbungsphase ist abgeschlossen, soll heißen: Ich bewerbe mich nicht mehr. Auch wenn mich Zeitarbeitsfirmen anrufen, weil sie neue Einsätze für mich haben – natürlich begrenzt auf wenige Wochen oder Monate – lehne ich ab.

So etwas nehmen sie einem übel. Da sind sie wirklich nachtragend. Wenn man einmal sagt „Nee, für zwei Monate lohnt sich der Aufwand nicht. Ich bin nur an längerfristigen Angeboten interessiert.“, kann man mit Gewissheit davon ausgehen, dass sie sich nie wieder bei einem melden.

Tja, so ist das halt. Ich habe es akzeptiert – und ich habe auch meine eigene Haltung dazu endlich akzeptiert und keine Gewissensbisse mehr, wenn ich derlei Angebote ablehne.

Nun denn, zurück zur Selbstständigkeit. Es hat mich Einiges an Überwindung gekostet, mir einzugestehen, dass es keinen anderen Ausweg gibt. Für mich war die Selbstständigkeit (oder Freiberuflichkeit) zwar immer schon eine verlockende Option – einfach weil ich supergern an eigenen Projekten arbeite. Aus finanzieller Sicht fand und finde ich sie jedoch äußerst unattraktiv.

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Das Vorstellungsgespräch – ein Erfahrungs-bericht

Eines vorweg: Ich bin kein Experte! Aber ich lass meine Erfahrung sprechen. Denn es gehen schon so einige Vorstellungsgespräche vielfältigster Natur auf mein Erfahrungskonto. Einige davon eher informell, andere umso ernsthafter, davon wenige unter vier Augen, dafür mehr in großer Runde – ein Assessment-Center durfte ich auch schon durchlaufen.

Da man aus Fehlern bekanntlich am besten lernt, beginne ich mit meinen beiden größten Faux-Pas. Einer davon ist mir erst letzte Woche unterlaufen und war Teil eines meiner bislang unsympathischsten Vorstellungsgespräche.

Es handelte sich um die Bewerbung auf eine Assistenzstelle für ein musiktherapeutisches Institut. Meine Bewerbung darauf lag schon einige Zeit zurück. Aus diesem Grunde überraschte mich die Einladung zum Vorstellungsgespräch einigermaßen.
Die Stellenbeschreibung hatte ich schon gelöscht, ebenso wie mein gesamtes Bewerbungsschreiben (Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse).

Ich wusste demnach weder, auf welche Stelle ich mich genau beworben hatte, noch, welche Informationen ich über mich im Bewerbungstext preisgegeben hatte. (Wie sich später im Gespräch herausstellte, hatte ich „vergessen“, meine beiden Kinder zu erwähnen.)
Bevor ich losging, druckte ich mir lediglich die Wegbeschreibung aus und notierte mir den Namen meiner Ansprechpartnerin im Institut.

MERKE:
Anschreiben, Lebenslauf und Stellenbeschreibung erst vernichten, wenn die Absage kommt!

Ich lag gut in der Zeit und kam eine knappe Viertelstunde zu früh zum Vorstellungsgespräch. Eigentlich unproblematisch, denn Unternehmen richten i.d.R. einen „Warteraum“ für Zufrühkommer ein oder der Bewerber wird einfach ins Büro der Sekretärin gesetzt. Nicht so beim musiktherapeutischen Institut. Hier war das Büro so klein, dass ich bereits im schmalen Flur dem vierköpfigen Prüferkolloquium gegenüberstand. Leicht verärgert begrüßte man mich mit dem Satz: „Sie sind doch zu früh, oder?“.

Ich und die vier anderen nahmen daraufhin nacheinander im größten Büro Platz. Der Tisch war reich gedeckt mit raffiniert aussehenden Canapés und Getränken. Mir bot man allerdings keines von beiden an. Die Stimmung war feindselig. Ich hatte das Gefühl, man hätte sich längst für einen Bewerber entschieden und müsse nun proforma noch mich durchschleusen.

Da ich nun aber den Weg zum Institut auf mich genommen und mich herausgeputzt hatte, ignorierte ich diese ersten Anzeichen der Abneigung und beantwortete brav jede Frage ausführlich und interessiert. Bis auf eine einzige, auf die mir partout keine Antwort einfiel: „Was hat Sie denn dazu bewogen, sich gerade beim musiktherapeutischen Institut zu bewerben? Kennen Sie unser Tätigkeitsfeld?“
Dies war Faux-Pas Nummer 2 und wurde von meinem übelgelaunten Gegenüber auch gleich mit einem „schlecht vorbereitet“ quittiert.

MERKE:
Sich nicht über den potentiellen Arbeitgeber zu informieren, kommt ganz schlecht an!

Ich weiß nicht, wie andere Bewerber vorgehen, wenn sie nach einem neuen Job Ausschau halten. Ich für meinen Teil entwerfe einen Text für ein bestimmtes Stellenprofil, sagen wir „Assistentin“. Danach schicke ich Kopien dieses Textes in minimalen Variationen an Unternehmen, die Stellenanzeigen geschaltet haben, in denen sie nach einer Assistentin suchen.
Branchen und Unternehmen sind nebensächlich.
Insofern ist die Frage nach dem „Warum gerade wir?“ ziemlich knifflig.
Meine Wahrheit (ich suche einen Job, denn ich will Geld verdienen) klingt zu unprätentiös. Insofern muss ich mir echt den Kopf zerbrechen, welche Gründe ich nun tatsächlich angebe. Anders verhält es sich bei den Glücklichen, die einen bestimmten Job unbedingt wollen und tatsächlich Gründe haben, die über das bloße Geldverdienen hinausgehen.

MERKE:
Genau überlegen, welche Gründe man angibt, weshalb man sich wo bewirbt!

Fortsetzung folgt…

Exkurs 2: Bankjob

Gerade finden Bewerbungsgespräche statt. Unser Pressesprecher sucht eine neue Assistentin, weil sich sein jetzige einen anderen Job gesucht hat. Ich koche Kaffee, decke ein, decke ab und wieder ein und sage Bescheid, wenn eine neue Bewerberin eingetroffen ist. Es wurden nur Frauen eingeladen.

Überhaupt ist heute viel los. Ständig wird telefoniert, Kollegen unterhalten sich im Flur, der Verbandsdirektor und der Personalreferent sind aus Köln eingeflogen. Die Stimmen überschneiden sich, denn die meisten Bürotüren stehen offen. Bei mir ist allerdings noch kein einziger Anruf eingegangen, nur ein paar uninteressante eMails.

Schon Mittag, wie schön. In drei Stunden kann ich nach Hause gehen, meine Tochter aus der Kinderkrippe abholen und noch eine Weile mit ihr auf den Spielplatz gehen.

Gestern habe ich noch ein wenig in Erinnerungen geschwelgt an meinen Bankjob. Wir verglichen also Daten und nahmen, sofern dies erforderlich war, Änderungen vor. Adressänderungen oder einfach die Beseitigung von Tippfehlern. Den ganzen Tag lang.
Und wenn wir doch einmal von unseren Bildschirmen aufblickten und aus dem Fenster schauten, dann konnten wir den Putzfrauen im gegenüber liegenden Radisson Blu bei der Arbeit zuschauen. Wie sie die Betten machten oder Spinnweben zwischen den Balkonstreben beseitigten. Wenn ich sie so dabei beobachtete, dachte ich so bei mir: „Es gibt also doch noch schlimmere Jobs als meinen.“. Bis meine Kollegin sagte, sie sei lieber Putzfrau als Sachbearbeiterin bei der BoS. Sie wollte sich sogar mal als Hotelfachfrau bewerben, scheiterte aber an mangelnder Berufserfahrung.

Ich grübelte mehr oder weniger bewusst ständig darüber nach, welche Jobs schlechter sein könnten als meiner, aber mir fielen kaum welche ein. Einmal allerdings war ich abends noch bei Kaiser’s einkaufen und etwa drei Meter vom Ausgang entfernt stand ein Ladendetektiv. Er stand da und rührte sich nicht, schaute sich nur die an ihm vorbeigehenden Leute an, die ihn jedoch nicht beachteten. Da wusste ich, es gibt wenigstens diesen einen Job, der schlimmer ist als meiner.

Der Typ hatte nicht mal Kollegen, mit denen er sich hätte unterhalten können.