Der Buchkasten

Ein Nachtrag zu Bibliothek reloaded:

Ganz vergessen habe ich den Buchkasten, der in einer Gartenkolonie unweit von meiner Wohnung aufgebaut wurde. Diese Gartenkolonie gehört zu den fortschrittlicheren. Sie hat sich der Welt geöffnet. Auch als Nicht-Gärtner kann man hindurchschlendern und sich alles nach Lust und Laune angucken. Die Tore werden nie geschlossen. Es gibt nicht mal Tore.

Nun ja, sie ist auch wirklich einmalig hübsch, diese Kolonie. Man sieht gleich, dass die Gärtner dort ihr Herzblut reingesteckt haben. Manchmal sehen solche Kolonien ja recht verlottert aus, die Häuser nur noch Baracken, die Gärten vernachlässigt. Favelas nenne ich sie, v.a. wenn sie zwischen S- und Autobahn liegen…

Jedenfalls kam ein Gärtner auf die Idee, einen Buchkasten zu bauen, den er am Wegesrand aufstellte und gleich mit Büchern bestückte. Vorbeigehende sind dazu aufgerufen, sich Bücher herauszunehmen und ihrerseits welche hineinzulegen, die sie schon ausgelesen haben. Lediglich die Abgabe von Romanheften ist verboten, das steht ausdrücklich auf dem Kasten.

Leider war bislang noch kein Buch nach meinem Geschmack dabei, aber vielleicht bringe ich trotzdem mal welche vorbei. Sie bei Amazon zu verscheuern, lohnt sich ohnehin nicht.

Auf alle Fälle mag ich den Grundgedanken des Tauschens und deshalb auch die Idee des anonymen Gärtners. Wobei die Idee natürlich nicht neu ist. Es gibt noch zahlreiche andere Buchstationen in Deutschland, in ausrangierten Telefonzellen zum Beispiel.

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Im Kampfjet mal ganz vorne sitzen

…und so tun, als sei man Pilot. Zur Abwechslung mal ein paar Fotos inklusive Ausflugstipp:

Letztes Wochenende war ich auf der ILA, der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin. Sie ist ein Muss für alle, die von Flugzeugen und Hubschraubern begeistert sind. Woher meine Faszination kommt, ist mir ein Rätsel. Schließlich hatte ich meinen Lebtag nicht viel mit Luftfahrt zu tun – bis auf die gelegentlichen Flüge in den Urlaub.

2hubschrauber

breitling

flugzeuge

Kamen sich bestimmt vor wie Zootiere: amerikanische Soldaten

Kamen sich bestimmt vor wie Zootiere: amerikanische Soldaten

 

Ein weiteres Schmankerl dürfte die zumindest zwischenzeitliche Inbetriebnahme der Piste des neuen Hauptstadtflughafens BER gewesen sein. Von weitem konnte man sogar das Terminal sehen, an dem… seit wie vielen Jahren gearbeitet wird?

Jedenfalls war ich mal wieder begeistert. Die Flug-Shows waren grandios, insbesondere die Flugstaffeln und die Hubschrauber.

Sowohl Flugzeuge als auch Hubscharuber konnte man sich darüber hinaus von innen anschauen, sein Kind auf den Pilotensitz setzen und Fotos machen. Besonders freundlich und zuvorkommend zeigten sich da die Amerikaner, die ebenfalls vertreten waren.

Werbung in eigenem Sinne machte natürlich auch die Bundeswehr, die größter Einzelaussteller war und offenbar neue Mitarbeiter sucht. Angeblich gibt es immer wieder Kritik an der hohen Militärpräsenz unter den Ausstellern. Nachvollziehen kann ich das nicht. Wann kriegt man schon mal eine echte Drohne inkl. Abschussrampe zu sehen oder einen mit Raketen vollgestopften Kampfjet? –Eigentlich bin ich ja pazifistisch eingestellt, aber irgendwie übt selbst dieses Militärzeug eine seltsame Faszination auf mich aus.

Leider findet die ILA nur alle zwei Jahre statt. Vom 31. Mai bis 5. Juni 2016 soll es wieder soweit sein. Allen, die einen Besuch planen, rate ich, viel Sonnenmilch mitzunehmen, denn auf der Landebahn gibt es bekanntlich keinen Schatten. Am Ende des Tages waren die meisten Besucher krebsrot.

Wäre auch ein Foto wert gewesen: Viele Männer mit lichtem Haar stülpten sich den Programmflyer über den Kopf, um sich vor der Sonne zu schützen.

Insbesondere kleine Kinder benötigen unbedingt Ohrenschützer, denn teilweise kann es sehr laut werden. Tatsächlich waren einige Eltern mit Babys und Kleinkindern unterwegs, die keinerlei Schutz vorm Lärm hatten. Das halte ich persönlich für unverantwortlich. Allerdings hätte man auch von Seiten der Organisatoren an die Bereitstellung von derlei Equipment denken können.

Bibliothek reloaded

Ich stelle immer wieder fest, dass ich kein Trendsetter bin. Erst wenn Trends sich etabliert haben oder gar wieder abklingen, werde ich drauf aufmerksam. Das fing schon früh an, als ich bspw. erst Take-That-Fan wurde, als sich die Boyband endgültig aufgelöst hatte.

Doch nur weil ich spät dran bin mit meiner Entdeckung, muss das nicht heißen, dass sich der Trend schon wieder erledigt hat. Einer dieser Trends, das Ausleihen nämlich, hält sich bislang hartnäckig und das – meines Erachtens – zurecht. Zugegeben, es handelt sich bei diesem Trend nicht um eine völlig neue Idee. Wenn man die Bibliothek berücksichtigt, wird bei diesem Trend eher etwas Altbewährtes aufgegriffen. In Bibliotheken kann ich seit jeher Stunden zubringen. Insofern war mir der Trend des Leihens und Tauschens sofort sympathisch.

Vor etwa einem Jahr erfuhr ich von der Idee, sich Spielzeug auf der Basis eines Abonnements auszuleihen. Bei 10€ fangen die Abo-Gebühren an. Dafür bekommt man im Monat zwei Spielzeuge seiner Wahl zugeschickt. Das Sortiment auf „Meine Spielzeugkiste“ ist groß. Meine anfängliche Angst, das Abo könne sich nach nur wenigen Monaten erschöpft haben, war also unbegründet.

Juhuu, die neue Spielzeugkiste ist da!

Juhuu, die neue Spielzeugkiste ist da!

Dank der „Spielzeugkiste“ hat meine Tochter nicht nur jeden Monat zwei neue, hochwertige Spielzeuge, ich bin auch noch um ein paar Erkenntnisse reicher geworden.

Dass Kinder früher oder später das Interesse an ihrem Spielzeug verlieren, war mir längst klar (und das war auch der Grund, weshalb ich mich fürs Ausleihen entschieden habe). Dass Spielzeug, egal von welchem Hersteller und wie pädagogisch wertvoll, eigentlich kaum noch eine Rolle spielt, hätte ich dann aber doch nicht gedacht.

Bislang habe ich meiner Tochter nämlich fast immer die besonders teuren Holzspielzeuge aus deutscher Produktion ausgeliehen, weil diese mir zum Kauf zu teuer waren. Komischerweise landeten diese nach nur einem Mal Bespielen genauso in der Ecke wie der dudelnde „Lerncomputer“ made in China.

 

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Wie ausgespuckt

Gerade ist ein Buch erschienen, das mir sehr aus dem Herzen spricht und thematisch gut zu meiner Blog-Parade „Beruf kommt von Berufung?“ passt, die ich letzte Woche veröffentlicht habe.
Zugegeben, ich habe nicht das Buch, jedoch einen Ausschnitt daraus in der Zeitung gelesen. „Feindbild Mutterglück – Warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist“, so der Titel des Buches von Antje Schmelcher.

Die Autorin lebt in Berlin und somit sind ihre Erfahrungen mit dieser Stadt, die auch ich meine Heimat nenne, eng verknüpft. Mit Sicherheit hätte Schmelcher in anderen Landstrichen Deutschlands andere Erfahrungen als Mutter gesammelt. Positivere, denke ich. Doch immerhin trifft frau hier viele Gleichgesinnte 😉 Deshalb hat mich der Text ja so angesprochen: Ich begreife die Autorin als Gleichgesinnte, die genau das auf den Punkt bringt, was ich tagtäglich erlebe, für das ich aber oft keine passenden Worte finde.

Ich zitiere nun ein paar Passagen, die Parallelen zu meinem (Berufs-)Leben bilden:

Ich habe eine typische „Frauenerwerbsbiografie“. Ich habe also nicht Karriere gemacht. Manchmal emfinde ich das als ungeheure Befreiung. Dann wieder fürchte ich, etwas versäumt zu haben. Damals habe ich das Ende meines Angestellten-Daseins als herbe Niederlage empfunden. Wodurch es beendet wurde? Natürlich durch ein Kind.

[…]

Mein Angestellten-Dasein endete, weil ich mit Kind nur das Angebot bekam, auf meine Vollzeitstelle zurückzukehren. Kurz vor Einführung des Teilzeitgesetzes kündigte ich also. Eine ungheure Dummheit! Und eine ungeheure Befreiung. Trotzdem fühlte ich mich wie ausgespuckt, mit Kind war ich nicht mehr „employable“.

[…]

Das Berliner Stadtmagazin „Zitty“ veröffentlichte eine Liste mit Berlins beliebtesten Feindbildern. Darunter die „Übermutti“. Wofür wird sie gehasst? Weil sie stillt, strickt und kocht und sich öffentlich mit ihrem Kind zeigt. Und vor allem: „Ihr Becken gebar den Heiland von morgen, ihre Bedürfnisse haben Vorrang, ihr Kinderwagen hat Vorfahrt.“ Ich fand mich wieder in Comics, Zeitungsartikeln und der Frauen-Ratgeberliteratur: als böse Mutter, Ehrgeizmutter, Übermutter, Latte-Macchiato-Mutter und als Karikatur.

[…]

Trotzdem war das kaum noch denkbar: sich nicht über die Arbeit zu definieren. Ich hatte mich auf ein prekäres Freiberuflertum festgelegt unter dem Stirnrunzeln meiner stets berufstätigen Mutter. Dabei mag ich meinen Beruf sehr gern. Nur ist er in Form einer Festanstellung schwer mit Kindern zu vereinbaren. Und wer nicht vor der Geburt seiner Kinder in Vollzeit angestellt war, kann auf eine Teilzeitstelle lange warten. […] In Wirklichkeit gibt es nur Vereinbarungen zugunsten der einen und zulasten der anderen Seite. Der Rest ist Propaganda. Das alte Korsett aus Kindern, Küche, Kirche ist durch ein neues Korsett aus Kindern, Kita und Karriere ersetzt worden. Eine mutter- und kinderfreundliche Gesellschaft stelle ich mir anders vor.

Schmelcher kommt daraufhin zu dem Schluss, dass uns Frauen heutzutage tatsächlich alle Türen offenstehen: von der Astronautin bis zur Bundeskanzlerin können wir alles werden. Insofern existiert kein Unterschied mehr in den Chancen zwischen Mann und Frau. Es sei denn, die Frau wird schwanger und bringt ein Kind zur Welt. Dann ist er wieder da: der große Unterschied.

 

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Verliebt in Berlin(er Mode)

Berlin wird ja seit ein paar Jahren unglaublich gehypt. Die Gründe dafür sind mir unbekannt. Gab „Verliebt in Berlin“ vielleicht den Startschuss? Wer weiß.

Auf jeden Fall hebt dies die Berliner nun quasi auf ein Podest, welches nichts Geringeres besagt als: Berliner sind hip. Nicht-Berliner denken nun wahrscheinlich, dass ihnen Berliner in Stylingfragen stets einen Schritt voraus sind. Kann ich nicht bestätigen. Genau genommen, greifen wir auf das zurück, auf das alle zurückgreifen: H&M, Mango, Zara, Esprit und wie sie alle heißen.
Als ich mich noch zu den Nicht-Berlinern zählte, habe ich mich jedenfalls immer besonders schick gemacht, wenn ich mal in die Hauptstadt kam. Wahrscheinlich bin ich so erstrecht als Touristin aufgefallen.

Fakt ist ja leider auch, dass man in Berlin mehr Armut sieht als auf dem Lande. Gerade in den Bezirken, die keinerlei Anziehungspunkte für Touristen bieten, kann man anhand ihrer Kleidung schon sehen, dass es den Leuten nicht gut geht. Dadurch, dass die Bevölkerung jedoch wenig homogen in ihrer Einkommensstruktur ist, wohnen Arm und Reich nah beieinander. Man kann diejenigen schwerlich übersehen (und vergessen), die sich am unteren Ende der Sozialskala bewegen. Dadurch bleibe zumindest ich immer demütig und kleide mich unauffällig. Abgesehen davon, dass ich Statussymbolen sehr skeptisch gegenüberstehe, würde ich auch meine Kinder nie im „Prenzlauer-Berg-Style“ rumlaufen lassen. Das wäre mir einfach peinlich gegenüber denjenigen, die sich wenig leisten können.

 

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Kündigung wegen Teilzeit-Wunsch

Die DIS AG hatte es dann doch eilig, mich loszuwerden. Keine Ahnung, was der wahre Grund ist. Man gab an, es sei unmöglich einen Job für mich zu finden, dessen Arbeitszeit weniger als 40 Wochenstunden vorsieht. Ich hätte mich sogar noch für 35 Wochenstunden hergegeben. Doch nein, es hat nicht sollen sein.

Das Kündigungsschreiben kam per Kurierdienst, weil ich mich nicht persönlich im Büro der DIS AG einfinden wollte. Letzten Endes ist eingetroffen, was ich mir insgeheim gewünscht habe: Die Zeitarbeit wurde beendet. Doch nun habe ich gar keinen Job mehr und somit auch kein Geld. Da ich mich in den vergangenen Monaten jedoch daran gewöhnt hatte, relativ viel Geld zur Verfügung zu haben, ist es nun recht bedrückend, auf das Ersparte zurückgreifen zu müssen.

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Unser Anteil an „made in Bangladesh“

Sie arbeiten bis zu 12 Stunden täglich an sechs Tagen in der Woche für umgerechnet 34€ im Monat. Teilweise sind sie dabei am Tisch angekettet, damit sie nicht zu oft aufstehen (um bspw. zur Toilette zu gehen). Die Fabriken, in denen sie ihr Dasein fristen, sind ein einziges Sicherheitsrisiko. Weit über 1000 NäherInnen sind seit 2009 allein in Bangladesch bei Fabrikbränden und –einstürzen ums Leben gekommen. Etwa 80% der TextilarbeiterInnen sind Frauen, viele davon Mütter (und deren Kinder, denn auch Minderjährige arbeiten schon in den Fabriken).

Die Bilder, Reportagen und Berichte über die Zustände in Bangladesch, aber auch in vielen anderen südostasiatischen Ländern (u.a. Vietnam, Kambodscha, Indonesien) machen betroffen und lassen die Frage offen, ob man seine Kleidung noch guten Gewissens tragen kann. Zwar stehen v.a. Discounter wie Kik und Primark, die INDITEX-Gruppe und H&M in der Kritik, aber ganz sicher kann man sich über die Herkunft auch bei teuren Kleidungsstücken nicht sein. Rechtlich ist es nämlich schon erlaubt, „Made in Germany“ aufs Etikett zu schreiben, wenn nur das Etikett selbst in Deutschland eingenäht wurde. Und bei „italienischen“ Schuhen reicht es schon aus, wenn nur die Schnürsenkel in Italien eingezogen wurden.

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