Sunday Secrets

Da mir selbst gerade nichts sonderlich Ambitioniertes einfallen will, gebe ich mal die Gedanken anderer weiter…

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When you were 16, what did you think your life would look like?

Does it look like that? Is that a good thing?

OMG. Gerade auf The Daily Post gefunden.

Hm, als ich 16 war, habe ich meine Zukunft als äußerst nebulös empfunden. Da war nix mit konkreten Vorstellungen und Plänen. Ich wusste allerdings, dass ich nie heiraten und auch keine Kinder kriegen würde. Ebenfalls außer Frage stand, dass ich jemals einen regulären Job haben würde, denn ich würde mein Geld schließlich als erfolgreiche Autorin verdienen, die – um Input zusammeln – hin und wieder durch die Welt reist.

Fakt ist: Es ist so ziemlich alles anders gekommen. Deshalb musste ich angesichts der Frage auch erst einmal lachen. Ob es gut so ist? -Tja, aus „Ich weiß nicht, was ich wollen soll“ hab ich ja nun erfahren, dass die glücklicheren Menschen diejenigen sind, die sich in ihr Schicksal fügen. Ich übe mich in Demut…

Jahresvorsätze? -Keine.

Das neue Jahr fing ein wenig – hm – ernüchternd an.
Zum Jahresausklang noch mal beim Kabarett gewesen und Christoph Sieber bei den Wühlmäusen gesehn. Es war zwar irre komisch (besonders seine unvergessliche Persiflage auf das Dressurpferd Satchmo, das ich bis dato gar nicht kannte), aber was den Ausblick auf unsere Zukunft anbelangt doch sehr deprimierend. Letztlich hatte ich den Eindruck, dass alles den Bach runtergeht. Wirtschaft, Umwelt, Politik – alles ist dem Untergang geweiht.

Danach noch einen Kommentar im „The European“ gelesen, einzige Aussage, die hängengeblieben ist: „Wir leben in einem neuen Mittelalter.“. Auch nicht gerade erbauend.

Ende Dezember hatten mein Mann und ich endlich mal Zeit, einen Film zu sehen, der länger als 60min. dauert – und haben uns ausgerechnet für „Place beyond the Pines“ entschieden. Nicht traurig zwar, aber doch zu realistisch, um positiv angetan zu sein. Fazit: Arm bleibt arm und reich bleibt reich – komme, was wolle. Wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit in Form von „Korruption lohnt sich nicht“, zumindest nicht immer. Juhu.

Zu guter Letzt kam noch mein berufliches Aus beim PKV: „Aber Sie werden auf jeden Fall noch den Januar über hier arbeiten, das kann ich Ihnen versichern!“. Danke, Chef, ich bin gerührt angesichts Ihres enormen Einsatzes.

Was nehme ich mir also vor? -Gesund zu bleiben vielleicht.
Ich sehne mich nach meiner Selbstständigkeit zurück. Kein Geld zwar, aber mental zufrieden.

Auch eine Zeitarbeiterin vergnügt sich…

…dann und wann. Gestern Abend zum Beispiel: „Abschied!“ hieß die Show von Kurt Krömer im Tempodrom. Es war die dritte nach „Kröm de la Kröm“ und „Der nackte Wahnsinn“, die ich sehen durfte – und seine beste Show! Ich habe selten so gelacht. Krömer war auch einfach gut drauf. Es hat ihm sichtlich Spaß gemacht und sowas geht dann ganz schnell aufs Publikum über. Die Witze waren aber auch herrlich. Herrlich, herrlich, herrlich. Ziemlich kindisch – Telefonscherze inklusive (ja, er hat wieder bei der Hotline angerufen…). Seine Plautze ist auch immer wieder ins Rampenlicht gerückt, nackt selbstverständlich. FDP-Witze waren rar, schließlich hat Krömer „sein Ziel erreicht: Selbst ein Smart hat mehr Sitze!“

Und nun bin ich zu Hause und warte darauf, dass mein Töchterlein aufwacht, damit ich mit ihr zum Arzt gehen kann*. Fieber. Und dabei müsste ich nicht nur meinen Job machen, sondern auch den meiner Kollegin übernehmen, die im Urlaub ist. Schlechtes Gewissen. Hoffentlich wird sie schnell wieder gesund – oder ich muss meine Schwiegereltern einspannen. Tja, we will see. Noch bin ich jedenfalls gut gelaunt – trotz der kurzen Nacht mit fiebrigem Kind auf der Brust. Nachwehen der gestrigen Show. Danke Kurt – du bist der Beste!

*Warum muss man eigentlich ein fiebriges Kind zum Arzt schleppen, wo es doch im Bett viel besser aufgehoben ist? Nachweise erbringen, natürlich. So trägt eins zum anderen dazu bei, dass man Deutschland für wenig kinderfreundlich hält.

Väter in Teilzeit!

In meinem Beitrag „Das Betreuungsproblem“ schreibe ich ziemlich egoistisch über meine Muttergefühle und behaupte, ich könne es mir finanziell leisten, gänzlich auf meine Arbeit zu verzichten, um bei meinen Kindern zu bleiben.
Hmmmmm, das setzt natürlich voraus, dass es einen Ehemann gibt, der die Kosten trägt – tragen möchte(?), tragen muss(?).
Damit behaupte ich indirekt, dass ein Vater lieber arbeitet, als bei seinen Kindern zu hocken. Dass er lieber den Ernährer spielt und seinen väterlichen Pflichten am Wochenende nachkommt – wenn überhaupt. Dass ihm seine karriere mindestens genauso wichtig ist wie seine Familie.

Ein Porträt des Regisseurs Robert Thalheim in der Novemberausgabe des Magazins beweist das Gegenteil. Er thematisiert in seinem neuen Film „Eltern“ genau dieses Dilemma: Klar, Väter wollen Karriere machen, aber trotzdem Zeit mit ihren Kindern verbringen – nicht nur am Wochenende. Das Dilemma dabei: Mann kann sich nicht zerteilen.

Thalheims leitendes Thema befasst sich also mit der Frage, wie man „eine Familie absichert, ohne ausschließlich für diese Absicherung zu arbeiten, Zeit für Kinder findet und eine glückliche Partnerschaft führt, in der beide den Raum bekommen, sich zu verwirklichen“.

Es handelt sich somit glücklicherweise nicht um ein typisches Frauenproblem. Männer sehen das offenbar ganz ähnlich. Schön, dass ein Vater und erfolgreicher Regisseur das thematisiert – und sogar gleich einen Film darüber dreht. Respekt! Denn ich glaube, für viele Väter ist es ein Tabu, ihren Job in Frage zu stellen und dafür das Familienleben mehr in den Fokus zu rücken.

Als ich jedenfalls meinem Mann vorgeschlagen habe, nur noch 30 Wochenstunden arbeiten zu gehen – schließlich arbeite ich ja nun auch, an Geld würde es uns also nicht mangeln – antwortete er nur: „Neeeeeeeee, das geht nicht, das macht keiner in meiner Firma. Außer den Frauen.“ Nun bin ich mir nicht sicher, worin sein Argwohn gründet: Lebt ihm seine Peer Group (Kollegen + Vorgesetzte) ein anderes Männerideal vor und traut er sich deshalb nicht, aus gewohnten Bahnen auszubrechen? Oder will er tatsächlich lieber Karriere machen?

Wie auch immer, es mangelt noch an positiven Vorbildern.

Große Kolation einigt sich auf gesetzlichen Mindestlohn von 8,50€

Noch handelt es sich um einen vorläufig unterzeichneten Entwurf des Koalitionsvertrages. Dieser steht unter Vorbehalt eines positiven Ergebnisses des SPD-Mitgliedervotums.

Und dennoch – wow – was für ein Meilenstein! -Nicht dass ich mich mit den ökonomischen Hintergründen auskennen würde. Ich habe keine Ahnung, welchen Einfluss das auf die deutsche Wirtschaft hat. Doch rein menschlich erscheint mir ein Mindestlohn in dieser Höhe ein überfälliger Schritt. Denn warum soll ein berufstätiger Mensch von seinem Einkommen nicht leben können?

Und ein Argument der Befürworter des Mindestlohns kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: Wer mehr Geld hat, gibt es auch aus. Egal, wie viel oder wie wenig ich verdiene, am Monatsende bin ich immer pleite.

Ich bleibe auf jeden Fall am Thema dran. Mal schauen, wie sich das entwickelt…