Was macht denn eigentlich Ihr Mann?

Bei meinem vorerst letzten Vorstellungsgespräch wurde mir tatsächlich diese Frage gestellt (es war übrigens nicht das erste Mal)! Und ich war so blöd und habe sie wahrheitsgemäß beantwortet.

Natürlich war mir bewusst, dass eine solche Frage unzulässig ist und nicht beantwortet werden muss. Genau wie die Frage „Wie steht es denn mit Ihrer Familienplanung? Haben Sie vor, Kinder zu bekommen?“, die meiner (noch) kinderlosen Freundin immer wieder im Vorstellungsgespräch gestellt wird. Trotzdem gehören wir beide zu den braven Lämmern, die nett lächeln und die Wahrheit sagen.

Warum? -Wir wollen Entgegenkommen signalisieren. Im Vorstellungsgespräch geht es einzig und allein darum, sich bestmöglich selbst zu vermarkten. Herumzicken wirkt da äußerst kontraproduktiv. Trotzdem fühle ich mich nicht wohl bei der Sache. Letztendlich geht es meinen Gegenüber ja gar nichts an, womit mein Mann seine Brötchen verdient. Würde er einen männlichen Bewerber die gleiche Frage stellen? –Was macht eigentlich Ihre Frau?

Wie winde ich mich also heraus, wenn mich mal wieder eine unangemessene Frage aus dem Konzept wirft?

Im Internet findet man dazu kaum Hinweise, außer dass man diese Fragen nicht beantworten muss. Gut, also schweigen… Das Schweigen muss dann aber sicherlich begründet werden. „Entschuldigung, aber diese Frage möchte ich Ihnen nicht beantworten“, klingt allerdings etwas harsch, finde ich. Besser vielleicht: „Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich denke, der Beruf meines Mannes spielt bei meiner eigenen Berufswahl eine untergeordnete Rolle und sollte unseren Gesprächsverlauf daher nicht beeinflussen.“ Hm, so richtig zufrieden bin ich auch damit nicht.

Man könne auch auf Notlügen ausweichen, heißt es in Bewerbungsratgebern. Zu dumm, dass ich alles andere als schlagfertig bin. Welche Notlüge passt da wohl am ehesten? „Er ist Multimillionär. Ich arbeite aus reinem Vergnügen und bewerbe mich ausschließlich auf Stellen, die zu 100% meine Interessensgebiete abdecken.“ Oder doch lieber mitleidsheischend: „Er ist arbeitslos und versorgt nun als Hausmann die Kinder. Ich dagegen bin für das Familieneinkommen zuständig.“?

Tja, wenn man schon lügt, dann sollte es überzeugend klingen. Aus diesem Grund fallen meine o.g. Vorschläge wohl durchs Raster. Insofern kann ich mir selbst nur den Tipp geben, so unkonkret wie möglich zu bleiben. Er arbeitet im Öffentlichen Dienst. Basta. Bei dieser Auskunft wird wohl kaum nachgehakt. Hier glaubt ohnehin jeder, zu verstehen…

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3 Gedanken zu “Was macht denn eigentlich Ihr Mann?

  1. Wobei mich bei der Frage „Was macht eigentlich ihr Mann“ interessieren würde was der potentiellen Arbeitgeber aus der Antwort hier herauszulesen versucht.
    Bei der Frage nach der Familienplanung, ok, das zielt in die Richtung „Verlässt uns die eh nicht gleich wieder weil sie Kinder will…“ ab.

    Hast du eine Theorie was man damit erreichen will?

    Lg, Sarah

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  2. Ich schließe mich der Vorschreiberin an – worauf wollen sie eigentlich hinaus damit??

    Ich wurde das auch gefragt hier in Dänemark, eigentlich in jedem Gespräch kommt die Frage. Mir ist sie noch nicht mal merkwürdig aufgefallen 😉 Habe immer brav geantwortet. Einmal wurde meinem Mann dann auch gleich ein Bewerbungsgespräch auf eine andere Stelle bezogen angeboten 🙂 Da er in einer Branche arbeitet, in der hier in Dänemark derzeit händeringend gute Leute gesucht werden.

    EInmal wurde ich auch gefragt, ob ich eigentlich noch Vater und Mutter habe und ob ich Einzelkind bin oder Geschwister habe. Und wie alt mein Bruder sei, jünger oder älter…

    Das war so eine Personalberatungsfirma. Die lesen da sicherlich ganz viele psychologischen Dinge heraus. Ob die dann so stimmen, sei mal dahingestellt.

    LG
    Mary

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  3. Echt?: Selbst die Personalberatungsfirmen stellen solche Fragen? Hm, vielleicht wollten die mit ein bisschen Small Talk das Eis brechen?
    Ich habe die persönlichen Fragen In Gesprächen mit Geschäftsführern erlebt, deren Unternehmen nicht groß genug für eine Personalabteilung waren, d.h. die Chefs mussten die Vorstellungsgespräche allein durchführen – ohne professionelles Back-up 😉
    Bei einem dieser Gespräche habe ich das als eher positiv wahrgenommen, denn es war sehr locker – wir unterhielten uns über dies und das. Beim letzten Gespräch aber habe ich gemerkt, dass der Typ sich nicht richtig vorbereitet hatte. Er wusste nicht so recht, welche Fragen er mir stellen sollte. Also sollte ich die ganze Zeit erzählen und ihn quasi unterhalten. Ich bin aber auch nicht gerade verquatscht, also verstummte das Gespräch irgendwann. Und als er so resümierte, dass all meine vorherigen Jobs ziemlich schlecht bezahlt waren, fragte er halt, was mein Mann beruflich macht. Eine naheliegende Frage, aber trotzdem irrelevant. Ich würde sie nicht mehr beantworten, auch nicht mit einer Notlüge.

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