Verliebt in Berlin(er Mode)

Berlin wird ja seit ein paar Jahren unglaublich gehypt. Die Gründe dafür sind mir unbekannt. Gab „Verliebt in Berlin“ vielleicht den Startschuss? Wer weiß.

Auf jeden Fall hebt dies die Berliner nun quasi auf ein Podest, welches nichts Geringeres besagt als: Berliner sind hip. Nicht-Berliner denken nun wahrscheinlich, dass ihnen Berliner in Stylingfragen stets einen Schritt voraus sind. Kann ich nicht bestätigen. Genau genommen, greifen wir auf das zurück, auf das alle zurückgreifen: H&M, Mango, Zara, Esprit und wie sie alle heißen.
Als ich mich noch zu den Nicht-Berlinern zählte, habe ich mich jedenfalls immer besonders schick gemacht, wenn ich mal in die Hauptstadt kam. Wahrscheinlich bin ich so erstrecht als Touristin aufgefallen.

Fakt ist ja leider auch, dass man in Berlin mehr Armut sieht als auf dem Lande. Gerade in den Bezirken, die keinerlei Anziehungspunkte für Touristen bieten, kann man anhand ihrer Kleidung schon sehen, dass es den Leuten nicht gut geht. Dadurch, dass die Bevölkerung jedoch wenig homogen in ihrer Einkommensstruktur ist, wohnen Arm und Reich nah beieinander. Man kann diejenigen schwerlich übersehen (und vergessen), die sich am unteren Ende der Sozialskala bewegen. Dadurch bleibe zumindest ich immer demütig und kleide mich unauffällig. Abgesehen davon, dass ich Statussymbolen sehr skeptisch gegenüberstehe, würde ich auch meine Kinder nie im „Prenzlauer-Berg-Style“ rumlaufen lassen. Das wäre mir einfach peinlich gegenüber denjenigen, die sich wenig leisten können.

 

Gut, dann will ich die ganzen Hipster und Fashion Victims mal nicht unterschlagen. Die gibt es hier natürlich auch. In der Regel verirren sie sich aber nicht in die Bezirke außerhalb des S-Bahn-Rings. Wenn man mal nach Mitte fährt, fallen sie einem sofort ins Auge. Momentan gehört zu ihren Erkennungszeichen solch ein unglaublich hässlicher Rucksack von Fjällräven (ich befürchte jedoch, dass ich nicht mehr auf dem Laufenden bin – schließlich kenne selbst ich Nicht-Hipster diesen Rucksack, was wohl heißt, dass er nicht mehr hip ist). Gegen diesen Rucksack waren die Jutebeutel jedenfalls ein Traum von Ästhetik.

Warum muss ein Produkt eigentlich immer hässlich sein, um hip zu werden (man denke nur an die Nerd-Brille und den Taliban-Bart)?

Letztens in der U-Bahn stand so ein Mann Mitte 20 neben mir. Er war groß und dünn und ich stellte mitleidig fest, dass der arme Kerl offenbar keine passenden Hosen gefunden hatte, sie waren ihm etwas zu kurz und hörten schon über seinen Knöcheln auf. Seine Frisur war auch nicht als solche zu erkennen und dann diese Brille… Eigentlich gar kein so unattraktives Exemplar von Mann, dachte ich mir so, er müsste nur mehr aus sich machen. Dann drehte er sich um und ließ seinen kleinen Rucksack mit dem Fuchs-Emblem erkennen. Ach so.

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