Selbstständigkeit versus Festanstellung

Die Bewerbungsphase ist abgeschlossen, soll heißen: Ich bewerbe mich nicht mehr. Auch wenn mich Zeitarbeitsfirmen anrufen, weil sie neue Einsätze für mich haben – natürlich begrenzt auf wenige Wochen oder Monate – lehne ich ab.

So etwas nehmen sie einem übel. Da sind sie wirklich nachtragend. Wenn man einmal sagt „Nee, für zwei Monate lohnt sich der Aufwand nicht. Ich bin nur an längerfristigen Angeboten interessiert.“, kann man mit Gewissheit davon ausgehen, dass sie sich nie wieder bei einem melden.

Tja, so ist das halt. Ich habe es akzeptiert – und ich habe auch meine eigene Haltung dazu endlich akzeptiert und keine Gewissensbisse mehr, wenn ich derlei Angebote ablehne.

Nun denn, zurück zur Selbstständigkeit. Es hat mich Einiges an Überwindung gekostet, mir einzugestehen, dass es keinen anderen Ausweg gibt. Für mich war die Selbstständigkeit (oder Freiberuflichkeit) zwar immer schon eine verlockende Option – einfach weil ich supergern an eigenen Projekten arbeite. Aus finanzieller Sicht fand und finde ich sie jedoch äußerst unattraktiv.

Abgesehen vom Geld aber ist die Selbstständigkeit das Beste, was ich mir unter Arbeit vorstellen kann. Ich müsste also wahnsinnig enthusiastisch an die Sache herangehen. Tu ich aber nicht. Im Gegenteil, ich bin total verkrampft und weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Liegt wohl daran, dass ich schon diverse Male selbstständig war, die vergangen Unterfangen jedoch nie wirklich glücklich endeten – aus finanzieller Sicht.

Nun könnte man einwenden „Scheiß aufs Geld – darauf kommt’s nicht an! Man muss ja nicht reich werden. Davon hängt das Glück nicht ab“. Ein durchaus legitimer Einwand übrigens. Hier tritt jedoch eine seltsame Befangenheit zutage, die ich erst seit Kurzem an mir beobachte: Plötzlich nämlich geht es mir sehr wohl ums Geld. Ich fühle mich einfach minderwertig ohne.

Vor ein paar Tagen war unsere Tochter auf einen Kindergeburtstag eingeladen. Für eine knapp Zweijährige reichlich früh, finde ich. Da die gesamte Kita-Gruppe eingeladen war, etwa zehn Kleinkinder, mussten die Eltern selbstverständlich anwesend sein. Insofern war es kein richtiger Kindergeburtstag, sondern ein Gemisch, eine große Party eben.

An und für sich war es ganz nett. Die Kinder hatten Spaß, selbst die Erwachsenen unterhielten sich gut. Nur ich konnte die Feier nicht richtig genießen, weil ich ständig nachrechnete, wie viel Geld die anderen Eltern wohl im Monat zur Verfügung haben – und wie wenig hingegen wir.

Ich bin nicht arm, aber wenn sich die Gespräche um den Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung drehen oder man sich darüber austauscht, ob der Sommerurlaub auf der AIDA mit einem Kleinkind wohl genauso schön wird wie der Strandurlaub auf Sylt, kann ich einfach nicht mitreden.

Wie auch immer, ich beginne mich zu fragen, ob es nicht doch besser wäre, irgendeinen Job zu ergattern, der ein mittleres Einkommen Monat für Monat sichert. -Besser als die berufliche Selbstverwirklichung, die finanziell wenig lukrativ ist. Für den Moment scheint es mir tatsächlich so. Aber kann man einen Scheißjob wirklich bis zur Rente, die erst in knapp 40 Jahren erreicht sein wird, durchziehen?

(Es ist komisch, dass ich mir diese Frage überhaupt stelle. Denn eigentlich dachte ich stets, Geld und Status seien mir wurscht. Offenbar ändern sich Überzeugungen mit dem Alter. Man ist nicht mehr Teil der Studenten, die allesamt nichts haben. Plötzlich muss man etwas zum Vorzeigen haben.)

Letztlich habe ich ja gar keine Wahl, denn die Option „irgendein Job“ existiert für mich nicht. Es gibt nur „irgendein Job über Zeitarbeit“, was nichts anderes als „friss oder stirb“ bedeutet, denn wie oben beschrieben, kann man die Angebote der Zeitarbeitsfirmen nicht einfach ablehnen. Dann nämlich fliegt man aus dem Pool.

Insofern gibt es kein „versus“. Vielleicht sollte ich wenigstens noch die Herdprämie abgreifen…

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12 Gedanken zu “Selbstständigkeit versus Festanstellung

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