Shame on me

Gestern hatte ich wieder ein Vorstellungsgespräch, diesmal bei Manpower. DIS AG, az GmbH, Manpower – mittlerweile habe ich mich schon bei den größten Zeitarbeitsfirmen in Berlin registrieren lassen, bei vielen kleinen, unbekannten sowieso. Und trotzdem hocke ich immer noch zu Hause. Ich weiche aber auch konsequent keinen Schritt zurück von meiner Vorgabe: bis 15.30 Uhr maximal – länger arbeite ich nicht. Ich will einfach keine Wochenend-Mami sein.

Wie auch immer, das Vorstellungsgespräch verlief ganz gut. Zeitarbeitsfirmen gehen komischerweise nicht auf jedes Detail ein, insofern ist ein Vorstellungsgespräch i.d.R. in 30 Minuten abgehakt. Bislang musste ich auch meistens Kostproben meiner Englischkenntnisse liefern, obwohl die Personalsachbearbeiterin im Nachhinein sagte, dass sie kaum andere Stellen als Sachbearbeiter und Assistenten im Repertoire hat. Übersetzungsarbeiten stehen also nicht an. Korrekturlesen und Texte verfassen? –Mangelware. Teilzeitangebote bekommt sie auch nur etwa einmal im Monat rein. Rosige Aussichten.

Tatsächlich, ich bin routiniert geworden, war auch nicht die Spur aufgeregt gestern. Vorher habe ich mich zwecks Einstimmung aufs Thema noch mit meiner Freundin über das Verhalten beim Vorstellungsgespräch unterhalten. Sie ist ebenfalls auf Jobsuche und hat deshalb diverse Ratgeber studiert.
Ein Tipp lautete, immer Blickkontakt zu halten (denn: wer beim Reden Löcher in die Luft starrt, denkt sich gerade alles nur aus, ergo er lügt). Bitter für jemanden wie mich, der es zur Gewohnheit geworden ist, überall hinzugucken, bloß nicht in die Augen des Gegenübers. Gestern jedenfalls habe ich mich an diese Regel gehalten und meiner Gesprächspartnerin ständig unverwandt in die Augen gestarrt, um den Wahrheitsgehalt meiner Worte zu unterstreichen. Ob es geholfen hat? –Wer weiß.

Vielleicht bin ich gerade dabei, mich mit meiner Situation abzufinden und das Beste daraus zu machen. „Die Krise als Chance“ ganz nach dem Motto des ADAC!
Ich verdiene zwar kein Geld, aber ich setze die Grundpfeiler dafür. Ich bastele an einer Existenz, die im besten Falle ein berufliches Standbein werden könnte. Sowas passiert nicht von heute auf morgen. Außerdem bin ich für meine Familie da und entlaste so meinen Mann.

Gestern Nacht jedenfalls konnte ich trotzdem nicht einschlafen, weil ich an meinen Lebenslauf denken musste. Ich dachte: „Scheiße, wie sieht das denn aus, dass ich jetzt nicht arbeite? Wie kaschiere ich bloß dieses Loch in meinem CV? Wie kann ich mich wieder attraktiv für den Arbeitsmarkt machen? Was sollen die anderen denken? Die werden mich doch jetzt fragen, warum ich nicht mehr ins Büro fahre, weshalb ich plötzlich so viel Zeit für die Kinder habe. Wie soll ich denen das erklären, ohne das Wörtchen ‚arbeitslos‘ zu verwenden?“
Ich fühle mich gerade so außenseitermäßig. Die Hausfrau hat in unserer Gesellschaft keine Existenzberechtigung mehr und somit auch ich nicht. Ja wirklich, ich schäme mich.

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