Unterm Mühlstein

Ich bin frei.
Zumindest war heute mein letzter Arbeitstag und ich habe nichts Neues in Aussicht. Was kommt, ist ungewiss. Von Ungewissheit kriege ich Pickel. Insofern kann ich meine erzwungenen Ferien nur eingeschränkt genießen. Schön ist es aber trotzdem, einfach mal das tun zu können, was einem wirklich am Herzen liegt. In einer solchen Situation war ich schon lange nicht mehr.

  • Ich schreibe also – und ich schreibe nicht nur so zwischendurch, sondern kann laaange nachdenken.
  • Ich werde mit meinem Sohn endlich mal ins Museum gehen und in eine Galerie seiner Wahl.
  • Ich werde die Urlaubsvideos der letzten Jahre zusammenschneiden.

Obwohl ich erleichtert bin, den Verband verlassen zu können, war der Abschied nicht leicht. Ich konnte die Tränen kaum zurückhalten. Damit habe ich mich selbst überrascht. Zwar bin ich seit jeher nah am Wasser gebaut, neige aber nicht zu Sentimentalitäten. Besonders eng befreundet war ich mit meinen KollegInnen dort auch nicht, wenngleich ich sie sehr sympathisch fand.

Als ich meine Nachfolgerin heute eingearbeitet habe und wir ein bisschen ins Plaudern kamen, wurde mir allerdings noch einmal und mit voller Wucht die große Ungerechtigkeit bewusst, der ich zum Opfer gefallen bin. Ich musste tatsächlich nur deshalb gehen, weil mein Chef irgendeinem seiner Bekannten einen Gefallen tun wollte. (Es hieß ja zunächst, man könne mich nicht halten, weil ich statt 40 nur 35 Stunden arbeiten wolle. Die neue Kollegin hat allerdings auch ein kleines Kind und wird nur hin und wieder länger auf Arbeit sein als ich.)

So bin ich nun also untern Mühlstein geraten. Es ist ein höchst unbefriedigendes Gefühl. Mit meiner Contenance war es vorbei. Da konnte mich auch der 30-€-Gutschein nicht aufmuntern, den mir mein ehemaliger Chef feierlich überreichte: „Damit Sie sich mal was richtig Schönes kaufen können.“ Wow.

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