Ich weiß nicht, was ich wollen soll

I’m a copy cat.

Aber ich kopiere nur, weil ich den Titel so sagenhaft zutreffend finde – und lustig. Mittlerweile habe ich das gesamte Buch durch. Lustig war es dann doch nicht, jedoch aufschlussreich. Ich möchte sogar behaupten, dieses Buch kam einer Erleuchtung gleich:

Ich weiß nicht, was ich wollen soll

„Ich weiß nicht, was ich wollen soll – Warum wir uns so schwer entscheiden können und wo das Glück zu finden ist“ von Bas Kast

So treffend der Titel, so unglücklich aber der Untertitel. Der hätte mich beinahe um die Lektüre dieses Buches gebracht. Ein Glücksratgeber, na, das klingt ja vielversprechend…

Kast hat aber gerade keinen Ratgeber geschrieben. Sein Buch ist eine Bestandsaufnahme, eine Analyse mit anschließender Bewertung. Ein Sittenbild.
Aufhänger ist der in unserer westlichen Gesellschaft wie ein Virus um sich greifende Unwille, sich festzulegen. Wir wollen auf nichts verzichten, geraten bei der Umsetzung des „Alles-oder-Nichts“ aber ganz schön ins Schwitzen (ergo Stress). Kast ergründet, weshalb wir trotz Freiheit und Wohlstand nicht so glücklich sind, wie wir es sein müssten. Ganz im Gegenteil, wir sind deprimiert, fühlen uns gehetzt.

Zugegeben, normalerweise lese ich solche Texte mit dem Hintergedanken, dass der Inhalt wohl auf viele meiner bemitleidenswerten Mitmenschen zutrifft, nicht jedoch auf mich (ich schätze, ich halte mich für schlauer als der Durchschnitt…). Diesmal aber fühle ich mich ertappt. Ich scheine die Personifikation der Rastlosen zu sein. Schon der Fakt, dass ich mich seit Beendigung meines Studiums auf keinen Beruf festlegen kann, spricht dafür, dass ich mir alle Optionen offen halten möchte.

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Es oblag schließlich oftmals nicht meiner Entscheidung, einen Job zu beenden oder zu halten. Ich hätte mich mit vielen Jobs sehr gern zufrieden gegeben, wenn auch einige andere wichtige Parameter erfüllt worden wären. Zum Beispiel das Gehalt: Ich will nicht reich werden, aber wenigstens halbwegs über die Runden kommen. Oder die Arbeitszeiten: Ich will arbeiten und trotzdem Zeit für meine Kinder haben – nicht nur am Wochenende. Diese Kriterien sind für mich ausschlaggebend. Okay, dann gibt es noch ein paar Punkte, die auch wichtig sind; Kollegen, die Art der Arbeit, das Büro (ich gehöre zu den Leuten, die sich wirklich nicht im Stande sehen, in einem Großraumbüro zu arbeiten). Alles andere aber ist zweitrangig.

I’m a spoiled kid.

Nein, ich bin nur ängstlich. In einem Leserbrief einer Lehrerin an den Spiegel hieß es sinngemäß: „Nicht die Klassenbesten bringen es unbedingt zum beruflichen Erfolg, sondern die Kinder, die an sich glauben.“ Ich bin kein Fan von Aphorismen, aber dieser ist zutreffend. Ich weiß nicht, wie man den Glauben an sich selbst erlangt. Ich weiß nur, ich habe ihn nicht. Ich hatte ihn auch noch nie. Keine Ahnung, weshalb. Jedenfalls suche ich mir deshalb immer die anspruchslosen Jobs. Die, die eher unter- als überfordern. Langeweile heißt mein uralter Bekannter (ich will mich nicht beschweren, immerhin habe ich so Zeit, quasi on the job zu bloggen…).

Erst heute musste ich meinen Dis-AG-Betreuer enttäuschen, weil er mir einen etwas anspruchsvolleren Job verschaffen wollte, einen, in dem ich keinerlei Kenntnisse habe. In die Sachgebiete wäre ich zwar eingearbeitet worden, aber ich habe trotzdem abgelehnt, weil ich in einem Großraumbüro hätte sitzen müssen, in dem alle Mitarbeiter eng beieinander hockten (ich war schon beim Vorstellungsgespräch und konnte mich live davon überzeugen). Das brachte mein Fass zum Überlaufen. Wenn schon neue Sachgebiete, dann wenigstens in Ruhe angeeignet. Ich will beim Fehlermachen nicht auch noch beobachtet werden. Einem selbstbewussten Menschen wäre das mit Sicherheit egal gewesen.

Ich bin besorgt angesichts der kommenden Herausforderungen. Eigentlich sollte ich mich freuen. Somit wäre wir wieder beim von Kast aufgedeckten Paradox: Die Freiheit macht nicht zwangsläufig glücklich. Leider.

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2 Gedanken zu “Ich weiß nicht, was ich wollen soll

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