Schisser

Wenn die berufliche Veränderung nicht erforderlich wäre, würde ich sie auch nicht in Angriff nehmen. Nur weil ich Zeitarbeiterin bin, muss ich gehen – und mich in einem anderen Job einfinden.
Warum fällt es mir so schwer, die Zelte abzubrechen und etwas Neues zu beginnen?

Der Job hier ist mit Sicherheit kein Traum. Er ist eine Sackgasse. Ich bin seit einem guten halben Jahr hier und habe sehr viel gelernt. Aber kann ich noch etwas hinzulernen? Nein. Kann ich mich weiterentwickeln? Nein. Bin ich intellektuell gefordert? Selten. Nehmen wir den heutigen Tag: Bis auf eine kurze stressige Situation heute Morgen gab es sonst keine Vorkommnisse. Nichts zu tun. Ich sitze an meinem Schreibtisch und blogge. Wozu also bleiben?


Ich vermute, es hat etwas mit der Macht der Gewohnheit zu tun. Der soziale Aspekt spielt jedoch die größere Rolle. Man lernt seine Kollegen immer besser kennen, weiß, wie man wen einschätzen kann und wen man bei welchem Sachverhalt um Rat fragen muss. Je länger man in einem Job ist, deso klarer werden die Strukturen. Es entwickeln sich sogar Freundschaften. Und dann gehen – wozu?

Statt mich zu freuen, einer neuen Herausforderung zu begegnen und vermutlich wieder viel dazuzulernen, habe ich Angst. Wieder muss ich mich neuen Kollegen stellen, wieder muss ich mich einarbeiten (lassen), wieder bin ich die Neue, der man zwar freundlich begegnet, an die man sich aber doch sehr langsam herantastet.

Boah, ich bin so ein Schisser!

Nun denn, es führt ja kein Weg daran vorbei, einen neuen Job in Angriff zu nehmen. Selbst wenn ich sehr genügsam wäre und deshalb kein Geld verdienen müsste, so wäre es doch furchtbar langweilig zu Hause. Ich hätte zwar mehr Zeit zum Bloggen und auch dafür, mein Blog ein bisschen zu optimieren, auf lange Sicht jedoch hätte ich arge Probleme Input für meine Texte zu finden.
Mein Blog lebt schließlich von meinen Erfahrungen als Zeitarbeiterin.

So versuche ich also weiterhin, mir Jobwechsel schmackhaft zu machen… Letztlich weiß ich nie, wie’s kommt. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser. Aber meistens wird es besser, als ich es mir vorher ausgemalt habe. Keine Ahnung, weshalb ich so pessimistisch bin.
Morgen jedenfalls steht schon wieder ein Vorstellungsgespräch an. Nach der Arbeit ist vor der Arbeit. Wenigstens steht danach erstmal das Wochenende an.

Positiv überrascht hat mich allerdings meine Zeitarbeitsfirma, die DIS AG. Nachdem ich mich in vorherigen Artikeln doch recht frustriert über sie ausgelassen habe, weil sie mir in Bezug auf einen Teilzeitjob nicht entgegenkommen wollte, hat sie mir diesmal sofort eine Teilzeitstelle herausgesucht, eine richtig gute sogar. Bekannte, Verwandte und Kollegen gucken zwar immer ganz mitleidig, wenn ich ihnen erzähle, dass ich Zeitarbeiterin bin, aber ich freunde mich immer mehr mit dieser Form zu arbeiten an.
Und wenn ich mich dann überwunden habe und an neuer Stelle sitze, fühle ich mich Leuten wie meinem Chef, der seit seinem Studium, das mehr als 10 Jahre zurückliegt, das gleich tut, sehr überlegen.

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