Walter White ist meine Schwieger-mutter

Zunächst etwas Banal-Emotionales, um in die Woche zu starten:

Mein Mann und ich haben uns gestern Abend das Staffelfinale von Breaking Bad reingezogen. Ich werde es selbstverständlich nicht verraten – nur so viel: es ist ein würdiges Ende und jeder kriegt, was er verdient. Was hat dies mit „Arbeit“ oder „Zeitarbeit“ zu tun, mag man sich an dieser Stelle fragen. Wartet’s ab, den Bogen spanne ich gleich.

Am Nachmittag zuvor hatte ich bereits ein Walter-White’sches Erlebnis, als meine Familie und ich bei meiner Schwiegermutter zum Essen eingeladen waren. Meine Schwiegermutter ist ein echtes Arbeitstier. Sie hat zwei Vollzeit-Jobs, den einen übt sie werktags aus, den anderen am Wochenende. Niemand verlangt das von ihr, sie erachtet es aus finanzieller Sicht jedoch als notwendig. Keine Ahnung, warum. Ein einziger Job würde auch ausreichen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Sie müsste sich nur hier und da ein bisschen einschränken.

Tatsächlich beklagt sie sich stets und ständig über diese Doppelbelastung und sieht auch optisch so aus, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen. Was sie natürlich nicht davon abhält, so weiterzumachen, denn (Achtung, hier kommt Walter White durch):

Sie tut das alles nur für die Familie. 

So begründet der gute Walter nämlich auch die gesamte Serie über seine Aktivitäten als Drogenlord: „I do this for the family.“

Und indem die besagte Familie artig sein Geld annimmt, hat sie auch kein Recht, sich zu beklagen.
Meine Schwiegermutter verfolgt zwar keine illegalen Geschäfte, macht aber auch andauernd Geldgeschenke oder geldwerte Geschenke. Für uns ist es zur Gewohnheit geworden, diese anzunehmen, obwohl wir sie nicht brauchen. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass das ein großer Fehler war und ist. Denn gestern habe ich trotzdem gewagt, meine Schwiegermutter zu kritisieren – und prompt folgte das Argument, ich sei so undankbar. Sie tue doch alles nur für die Familie!

So macht man auch den ärgsten Kritiker mundtot. Was soll man auch darauf sagen?

Walter White gibt am Ende zu, dass er das alles für sich selbst getan hat, „because I was good at it“. Von Reue keine Spur, er hat sein Leben schließlich in vollen Zügen ausgekostet, sieht jedoch ein, dass er egoistisch gehandelt hat.

So viel Selbstkritik kann ich von meiner Schwiegermutter sicherlich nicht verlangen. Wir leben ja auch nicht in einer Serie, sondern im furznormalen Leben.

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