Ich weiß nicht, was ich wollen soll

I’m a copy cat.

Aber ich kopiere nur, weil ich den Titel so sagenhaft zutreffend finde – und lustig. Mittlerweile habe ich das gesamte Buch durch. Lustig war es dann doch nicht, jedoch aufschlussreich. Ich möchte sogar behaupten, dieses Buch kam einer Erleuchtung gleich:

Ich weiß nicht, was ich wollen soll

„Ich weiß nicht, was ich wollen soll – Warum wir uns so schwer entscheiden können und wo das Glück zu finden ist“ von Bas Kast

So treffend der Titel, so unglücklich aber der Untertitel. Der hätte mich beinahe um die Lektüre dieses Buches gebracht. Ein Glücksratgeber, na, das klingt ja vielversprechend…

Kast hat aber gerade keinen Ratgeber geschrieben. Sein Buch ist eine Bestandsaufnahme, eine Analyse mit anschließender Bewertung. Ein Sittenbild.
Aufhänger ist der in unserer westlichen Gesellschaft wie ein Virus um sich greifende Unwille, sich festzulegen. Wir wollen auf nichts verzichten, geraten bei der Umsetzung des „Alles-oder-Nichts“ aber ganz schön ins Schwitzen (ergo Stress). Kast ergründet, weshalb wir trotz Freiheit und Wohlstand nicht so glücklich sind, wie wir es sein müssten. Ganz im Gegenteil, wir sind deprimiert, fühlen uns gehetzt.

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Schisser

Wenn die berufliche Veränderung nicht erforderlich wäre, würde ich sie auch nicht in Angriff nehmen. Nur weil ich Zeitarbeiterin bin, muss ich gehen – und mich in einem anderen Job einfinden.
Warum fällt es mir so schwer, die Zelte abzubrechen und etwas Neues zu beginnen?

Der Job hier ist mit Sicherheit kein Traum. Er ist eine Sackgasse. Ich bin seit einem guten halben Jahr hier und habe sehr viel gelernt. Aber kann ich noch etwas hinzulernen? Nein. Kann ich mich weiterentwickeln? Nein. Bin ich intellektuell gefordert? Selten. Nehmen wir den heutigen Tag: Bis auf eine kurze stressige Situation heute Morgen gab es sonst keine Vorkommnisse. Nichts zu tun. Ich sitze an meinem Schreibtisch und blogge. Wozu also bleiben?

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Das Vorstellungs-gespräch als Selbsterfahrung

Und wieder einmal habe ich ein Vorstellungsgespräch überlebt. Hier nun die Fortsetzung des verwandten Artikels.

Ich habe Rechenschaft abgelegt. Anders kann ich nicht beschreiben, was mir gestern am späten Nachmittag widerfahren ist. Fragen über Fragen zu meinem (Arbeits-)Leben. Also begibt man sich auf eine Reise in die Vergangenheit, hält Rückschau – und erklärt und rechtfertigt sich.

Warum haben Sie dies getan? Warum haben Sie das getan? Was waren Ihre Ziele, Ihre Absichten? Warum sind Sie diesen, und nicht jenen Weg eingeschlagen?

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Walter White ist meine Schwieger-mutter

Zunächst etwas Banal-Emotionales, um in die Woche zu starten:

Mein Mann und ich haben uns gestern Abend das Staffelfinale von Breaking Bad reingezogen. Ich werde es selbstverständlich nicht verraten – nur so viel: es ist ein würdiges Ende und jeder kriegt, was er verdient. Was hat dies mit „Arbeit“ oder „Zeitarbeit“ zu tun, mag man sich an dieser Stelle fragen. Wartet’s ab, den Bogen spanne ich gleich.

Am Nachmittag zuvor hatte ich bereits ein Walter-White’sches Erlebnis, als meine Familie und ich bei meiner Schwiegermutter zum Essen eingeladen waren. Meine Schwiegermutter ist ein echtes Arbeitstier. Sie hat zwei Vollzeit-Jobs, den einen übt sie werktags aus, den anderen am Wochenende. Niemand verlangt das von ihr, sie erachtet es aus finanzieller Sicht jedoch als notwendig. Keine Ahnung, warum. Ein einziger Job würde auch ausreichen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Sie müsste sich nur hier und da ein bisschen einschränken.

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Worauf es ankommt im Job

Die Arbeit ist schon ein seltsamer Kosmos. Man kann viel lernen und lernt viele kennen. Sich selbst natürlich auch ein bisschen mehr.

Bevor ich anfing, als Angestellte zu arbeiten, dachte ich immer, dass es allein auf Fachkenntnisse ankommt, die angewendet werden müssen. Meine drei letzten Stellen haben mich eines Besseren belehrt: Fachkenntnisse lassen sich quasi nebenbei erwerben, vielmehr aber kommt es aufs Zwischenmenschliche an. Auf meiner jetzigen Position bspw. gab es schon vor mir eine Zeitarbeiterin, die jedoch nach sechs Wochen gekickt worden ist, weil sich meine Kollegin (die alteingesessene und einflussreiche Sekretärin) nicht mit ihr verstanden hat. Eine festangestellte Kollegin wäre sie aus diesem Grunde natürlich nicht so schnell losgeworden. Bei einer Zeitarbeiterin musst du nicht einmal Gründe angeben, um den „Einsatz“ zu beenden. Ich gefalle ihr offenbar besser, zumindest hatte sie noch nichts auszusetzen. Dafür kann ich nichts. Mögen und Gemochtwerden unterliegen nicht meinem Einfluss. Und trotzdem wird es so hochbewertet.

Dies bezieht sich auf einfach und schnell zu erlernende Jobs wie die der Assistentin, Schreibkraft oder Sachbearbeiterin. Ich nehme an, dass es bspw. in Ingenieursberufen sehrwohl auf Fachkenntnisse ankommt. Ein gewisser Charme wird aber auch dort nicht schaden, Besserwissertum hingegen schon.

Das Aussehen spielt auch keine untergeordnete Rolle – gerade bei Frauen in Verkaufsberufen. Wahrscheinlich nicht bei Lidl an der Kasse, aber wenn es um Kundenakquise geht und das Verkaufen hochpreisiger Artikel, wie Autos oder Anzeigen, sollte man doch recht vorzeigbar sein. Als Sekretärin hat es mir bislang auch nicht geschadet, mich aufzuhübschen… Manchmal habe ich das Gefühl, dass das noch das angenehmste an diesem Job ist.

Jahresvorsätze? -Keine.

Das neue Jahr fing ein wenig – hm – ernüchternd an.
Zum Jahresausklang noch mal beim Kabarett gewesen und Christoph Sieber bei den Wühlmäusen gesehn. Es war zwar irre komisch (besonders seine unvergessliche Persiflage auf das Dressurpferd Satchmo, das ich bis dato gar nicht kannte), aber was den Ausblick auf unsere Zukunft anbelangt doch sehr deprimierend. Letztlich hatte ich den Eindruck, dass alles den Bach runtergeht. Wirtschaft, Umwelt, Politik – alles ist dem Untergang geweiht.

Danach noch einen Kommentar im „The European“ gelesen, einzige Aussage, die hängengeblieben ist: „Wir leben in einem neuen Mittelalter.“. Auch nicht gerade erbauend.

Ende Dezember hatten mein Mann und ich endlich mal Zeit, einen Film zu sehen, der länger als 60min. dauert – und haben uns ausgerechnet für „Place beyond the Pines“ entschieden. Nicht traurig zwar, aber doch zu realistisch, um positiv angetan zu sein. Fazit: Arm bleibt arm und reich bleibt reich – komme, was wolle. Wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit in Form von „Korruption lohnt sich nicht“, zumindest nicht immer. Juhu.

Zu guter Letzt kam noch mein berufliches Aus beim PKV: „Aber Sie werden auf jeden Fall noch den Januar über hier arbeiten, das kann ich Ihnen versichern!“. Danke, Chef, ich bin gerührt angesichts Ihres enormen Einsatzes.

Was nehme ich mir also vor? -Gesund zu bleiben vielleicht.
Ich sehne mich nach meiner Selbstständigkeit zurück. Kein Geld zwar, aber mental zufrieden.