Das Vorstellungsgespräch – ein Erfahrungs-bericht

Eines vorweg: Ich bin kein Experte! Aber ich lass meine Erfahrung sprechen. Denn es gehen schon so einige Vorstellungsgespräche vielfältigster Natur auf mein Erfahrungskonto. Einige davon eher informell, andere umso ernsthafter, davon wenige unter vier Augen, dafür mehr in großer Runde – ein Assessment-Center durfte ich auch schon durchlaufen.

Da man aus Fehlern bekanntlich am besten lernt, beginne ich mit meinen beiden größten Faux-Pas. Einer davon ist mir erst letzte Woche unterlaufen und war Teil eines meiner bislang unsympathischsten Vorstellungsgespräche.

Es handelte sich um die Bewerbung auf eine Assistenzstelle für ein musiktherapeutisches Institut. Meine Bewerbung darauf lag schon einige Zeit zurück. Aus diesem Grunde überraschte mich die Einladung zum Vorstellungsgespräch einigermaßen.
Die Stellenbeschreibung hatte ich schon gelöscht, ebenso wie mein gesamtes Bewerbungsschreiben (Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse).

Ich wusste demnach weder, auf welche Stelle ich mich genau beworben hatte, noch, welche Informationen ich über mich im Bewerbungstext preisgegeben hatte. (Wie sich später im Gespräch herausstellte, hatte ich „vergessen“, meine beiden Kinder zu erwähnen.)
Bevor ich losging, druckte ich mir lediglich die Wegbeschreibung aus und notierte mir den Namen meiner Ansprechpartnerin im Institut.

MERKE:
Anschreiben, Lebenslauf und Stellenbeschreibung erst vernichten, wenn die Absage kommt!

Ich lag gut in der Zeit und kam eine knappe Viertelstunde zu früh zum Vorstellungsgespräch. Eigentlich unproblematisch, denn Unternehmen richten i.d.R. einen „Warteraum“ für Zufrühkommer ein oder der Bewerber wird einfach ins Büro der Sekretärin gesetzt. Nicht so beim musiktherapeutischen Institut. Hier war das Büro so klein, dass ich bereits im schmalen Flur dem vierköpfigen Prüferkolloquium gegenüberstand. Leicht verärgert begrüßte man mich mit dem Satz: „Sie sind doch zu früh, oder?“.

Ich und die vier anderen nahmen daraufhin nacheinander im größten Büro Platz. Der Tisch war reich gedeckt mit raffiniert aussehenden Canapés und Getränken. Mir bot man allerdings keines von beiden an. Die Stimmung war feindselig. Ich hatte das Gefühl, man hätte sich längst für einen Bewerber entschieden und müsse nun proforma noch mich durchschleusen.

Da ich nun aber den Weg zum Institut auf mich genommen und mich herausgeputzt hatte, ignorierte ich diese ersten Anzeichen der Abneigung und beantwortete brav jede Frage ausführlich und interessiert. Bis auf eine einzige, auf die mir partout keine Antwort einfiel: „Was hat Sie denn dazu bewogen, sich gerade beim musiktherapeutischen Institut zu bewerben? Kennen Sie unser Tätigkeitsfeld?“
Dies war Faux-Pas Nummer 2 und wurde von meinem übelgelaunten Gegenüber auch gleich mit einem „schlecht vorbereitet“ quittiert.

MERKE:
Sich nicht über den potentiellen Arbeitgeber zu informieren, kommt ganz schlecht an!

Ich weiß nicht, wie andere Bewerber vorgehen, wenn sie nach einem neuen Job Ausschau halten. Ich für meinen Teil entwerfe einen Text für ein bestimmtes Stellenprofil, sagen wir „Assistentin“. Danach schicke ich Kopien dieses Textes in minimalen Variationen an Unternehmen, die Stellenanzeigen geschaltet haben, in denen sie nach einer Assistentin suchen.
Branchen und Unternehmen sind nebensächlich.
Insofern ist die Frage nach dem „Warum gerade wir?“ ziemlich knifflig.
Meine Wahrheit (ich suche einen Job, denn ich will Geld verdienen) klingt zu unprätentiös. Insofern muss ich mir echt den Kopf zerbrechen, welche Gründe ich nun tatsächlich angebe. Anders verhält es sich bei den Glücklichen, die einen bestimmten Job unbedingt wollen und tatsächlich Gründe haben, die über das bloße Geldverdienen hinausgehen.

MERKE:
Genau überlegen, welche Gründe man angibt, weshalb man sich wo bewirbt!

Fortsetzung folgt…

Spiel ohne Regeln

Seltsam, vor Weihnachten schien die Welt zwar nicht in Ordnung, aber wenigstens halbwegs verständlich in Bezug auf mein Berufsleben. Heute wurde ich eines Besseren belehrt:

Wie in meinen vorherigen Posts beschrieben, wurde mir im Verband eine Stelle angeboten, die noch eine Kollegin innehat. Diese sollte auf die freiwerdende Position der Sekretärin wechseln. Diese Position übe ich gerade als Zeitarbeiterin aus.

Kurz vor Weihnachten wurde ich jedoch von meinem Chef angerufen, der mir mitteilte, dass dieser ominöse Jobwechsel doch nicht zustande kommt, weil sich meine Kollegin Frau P. dagegen entschieden hätte. Ich dürfe deshalb nur noch so lange im Verband arbeiten, bis die Stelle der Sekretärin neu ausgeschrieben und besetzt würde.

Ich war enttäuscht, hatte ich mich doch schon auf die neue FESTE Stelle gefreut.

Heute hatte ich zum ersten Mal nach Weihnachten die Gelegenheit, ausführlich mit Frau P. zu quatschen. Und sie erzählte mir sehr glaubwürdig, dass sie sich zwar für die Stelle der Sekretärin entschieden habe, der Verband ihr jedoch zwei Tage später abgesagt hätte – mit der Begründung, dass sie für die Stelle zu gering qualifiziert sei.

Komisch, dass der Verband ihr vor einem Monat jedoch das Angebot gemacht hat und nur noch auf ihre Antwort wartete. Um ihr daraufhin abzusagen. Hm, dubios.

Tatsächlich fanden dann am 23.12. noch Bewerbungsgespräche statt, obwohl uns unser Chef, der dies alles verantwortet, versichert hat, die Stelle würde erst Anfang des neuen Jahres ausgeschrieben werden.

Letztlich müssen Frau P. und ich leicht schockiert feststellen, dass wir nicht nur behandelt werden wie der letzte Dreck, nein, uns wird kontinuierlich dreist ins Gesicht gelogen. Wir sind die Wahrheit nicht wert. Und wir haben auch keine Lobby, um uns dagegen zu wehren. Ich komme mir gerade vor wie ein kleiner Bauer auf dem Schachbrett. Nichts liegt in meiner Hand. Das ist der Mist, wenn man in der Hierarchie ganz unten steht.

Und genau darüber wollte ich schreiben. Danke, lieber PKV, für diese ganz großen Gefühle, ohne die ich gar keinen Anlass hätte, zu bloggen.

Die Ungewissheit schlägt zu – ich schlage zurück!

Gestern hat es mich völlig ausgeknockt. Plötzlich hatte ich Fieber und konnte nur noch im Bett liegen. Sobald ich mich aus der Horizontalen in die Vertikale bewegt habe, wurde mir übel, ohne dass ich mich hätte übergeben müssen. Mir war einfach den ganzen Tag lang schlecht, aber ich wusste nicht, aus welchem Grund.

Mittlerweile geht es mir wieder bestens, denn ich habe herausgefunden, was mich so bedrückt hat: Es war kein Virus, sondern die Ungewissheit. Die Ungewissheit darüber, wie es nächstes Jahr weitergehen wird.
Mein Chef hatte mir ja zugesichert, dass es auf jeden Fall im Verband weitergehen würde, weil ich zu seiner Zufriedenheit gearbeitet habe. Er wusste zwar noch nicht, auf welcher Position, doch die Festanstellung wäre sicher. Für ihn war das kein Thema, über das er lange nachzudenken brauchte. Er nahm an, das erledige sich schon von selbst. Man bräuchte sich also keine Sorgen zu machen.

Ich sorgte mich trotzdem. Keine Ahnung, weshalb. Vielleicht, weil alles so verschwommen auf mich wirkte. Wochenlang sickerten keine konkreten Informationen durch.

Heute Mittag jedenfalls kam die Wahrheit doch noch ans Licht. Mein Chef rief mich zu Hause an, da ich krankgeschrieben bin, um mir mitzuteilen, dass ich noch ein bis zwei Monate im Verband bleiben darf, als Zeitarbeiterin selbstverständlich, bis man die Stelle neubesetzt habe. Er sprach die Wahrheit sehr kühl aus, als wären wir uns fremd, ließ die Information, dass ich noch ein bis zwei Monate bleiben dürfe, jedoch klingen, als müsse ich dankbar dafür sein. Kein Wort der Entschuldigung für den miserablen Verlauf einer vermeintlichen Festeinstellung.
Dass ich die Stelle kriege, in die ich bestens eingearbeitet bin, kommt nicht in Frage, da ich ja nur 35 Wochenstunden arbeiten kann, nicht wie geplant 40. Davon weiche ich auch nicht ab, denn ich würde lieber weniger als mehr Stunden dafür aufwenden.

Trotz der fadenscheinigen Begründung und der ausgebliebenen Entschuldigung fühle ich mich nun tatsächlich viel besser. Es ist ungemein befreiend, zu wissen, woran man ist. Am liebsten würde ich nur noch bis zum 31.12. beim Verband arbeiten gehen und mir dann etwas anderes suchen. Meine Motivation hält sich arg in Grenzen. Wenn ich nicht so scharf auf ein gutes Arbeitszeugnis wäre, hätte ich gar keine mehr.
Gestern hatte ich bereits ein telefonisches Vorstellungsgespräch, das sehr vielversprechend verlaufen ist, morgen habe ich eines, bei dem ich physisch anwesend sein muss. Beide Stellen interessant und vielseitig. Es ist, als sei alles schon vorprogrammiert gewesen.

Nur von meinem Chef bin ich enttäuscht. Er hat falsche Hoffnungen in mir keimen lassen. Obwohl er so gebildet ist, hat er so unklug gehandelt. Ohne seine Versprechungen würden wir völlig neutral getrennter Wege gehen. So aber fühle ich mich für dumm verkauft.
Denn auf der mir versprochenen Position wäre ich schon gern beim Verband geblieben. Die Kollegen dort sind schließlich sehr, sehr nett zu mir gewesen. Wir lagen auf einer Wellenlänge. Das Aufgabengebiet habe ich allerdings nicht kennen gelernt.

Doch darüber, dass mir die Sekretärinnenstelle aus o.g. Gründen nicht angeboten wird, sollte ich mich wirklich freuen. Denn phlegmatisch, wie der Mensch ist, hätte ich angenommen. Und das wäre mein langsames, aber sicheres Verderben gewesen. Die Sekretärin, die ich vertreten habe, hat einen Burn-out erlitten und wollte deshalb nicht mehr zurück in ihren Job. Mir wäre es ähnlich ergangen, denke ich. Das Arbeitspensum war mehr als gering, die Arbeit selbst unbefriedigend, die Mitarbeiterer oft harsch im Ton und wenig anheimelnd. Und dafür soll ich auf wertvolle Familienzeit verzichten? Nie, dziękuję.

Nun gut, das Leben besteht aus Trennungen. Und Neuanfängen.

Die ausstehende Entscheidung

So viel Input, aber keine Zeit zum Schreiben. Mittlerweile bin ich vollständig eingearbeitet und habe doch kontinuierlich zu tun. Selbst jetzt vor Weihnachten. Vielleicht ist mir die Arbeit auch wichtiger geworden und ich ignoriere die etwas lästigen Aufgaben nicht mehr – wie vor zwei Monaten, als ich noch fleißig gebloggt habe.

Die Arbeit ist mir tatsächlich wichtiger geworden, weil mir in Aussicht gestellt wurde, hier zu bleiben. In dieser Woche nun soll sich entscheiden, in welchem Arbeitsverhältnis und auf welcher Position. Denn dass ich weiterhin Sekretärin bleibe, ist wohl keine Option. Hierzu folgende „Anekdote“:

Ich vertrat bisher eine Sekretärin, die krankheitsbedingt fehlte. Diese kündigte allerdings zum 31.12. und die Geschäftsführung sucht nun Ersatz. Da eine Kündigungsfrist von drei Monaten besteht, steht die Kündigung schon seit geraumer Zeit fest. Dies ließ die Geschäftsführung allerdings nicht durchsickern. Anstatt gleich aktiv nach einem passenden Ersatz zu suchen, wartete man zwei Monate, bis man einer Kollegin und mir einen Vorschlag unterbreitete. Dieser Vorschlag mutete auf den ersten Blick seltsam an, kam mir aber entgegen, denn er sah vor, dass meine Kollegin, Frau P., Sekretärin werden würde, ich hingegen ihren jetzigen Job bekommen sollte.

Frau P. ist Sachbearbeiterin in einem anderen Unternehmensbereich. Sie hat bislang nur auf ein Jahr befristete Arbeitsverträge erhalten. Weil jedoch alle sehr zufrieden mit ihr sind, wollte man ihr den Gefallen tun, sie unbefristet als Sekretärin einzustellen. Da ihre Stelle damit frei werden würde, hätte man auch gleich etwas Passendes für mich gehabt.

Nun steht Frau P.‘s Entscheidung seit drei Wochen aus. Tatsächlich scheint sie wenig erfreut über diese Job-Option.
Die Geschäftsführung dachte, sie tue ihr damit einen Gefallen, stattdessen quält sich die arme Frau – und ich mich mit ihr.

Bis gestern wusste ich nicht, wie es weitergehen sollte. Würde ich weiter im Verband arbeiten oder hätte ich vorerst gar keinen Job mehr? Und wenn ich im Verband verbliebe, auf welcher Position würde ich dann arbeiten? Was würde die Sachbearbeiterstelle überhaupt mit sich bringen? Ich habe weder eine Tätigkeitsbeschreibung bekommen noch Details wie Gehalt und Zuständigkeiten.

Darüber möchte ich mich gar nicht beschweren. In der Zeitarbeit wird man ja ganz oft ins kalte Wasser gestoßen. Man weiß nie, was ein neuer Job bringt – und leider kann man es sich auch nicht wirklich aussuchen. Das heißt, theoretisch kann man Jobangebote, die einem die Zeitarbeitsfirma unterbreitet, ablehnen. Das habe ich einmal getan und wurde daraufhin sehr unfreundlich zurechtgewiesen. Letztlich hieß es von Seiten der DIS AG einfach: „Na dann müssen wir den Vertrag mit Ihnen auflösen.“
So viel also zum unbefristeten Arbeitsverhältnis bei der DIS AG.
Aber das ist eine andere Geschichte. Es ging damals um meinen Wunsch nach einer Teilzeitstelle, den die Zeitarbeitsfirma nicht erfüllen konnte oder wollte.

Wie auch immer, ich habe mit meinem Chef telefoniert und er hat sich zu mir bekannt, was mir sehr gut tat. Ich weiß nun, dass es weitergehen wird – irgendwie. Letztlich ist es mir sogar egal, welche Bedingungen damit verknüpft sind, wobei mir klar ist, dass ich mich mit dieser Einstellung unter Wert verkaufe. Was mache ich wohl, wenn mir weniger Gehalt angeboten wird als jetzt? Ist es das dann immer noch wert?

Zugegeben, die Kollegen, die ich bislang kennen gelernt habe, haben auf mich keinen durchweg positiven Eindruck gemacht. Es gibt nur zwei Menschen hier, mit denen ich mich unumwunden gut verstehe, einer davon ist mein Chef.

Momentan bin ich etwas ratlos. So richtig weiß ich nicht weiter. Aber befinde ich mich in der Lage, wählerisch zu sein?

Das Leben ist zu kurz für nur eine Karriere. Oder?

Boah, ich tu mich echt schwer mit dem Verfassen halbwegs journalistischer Texte. Darf echt keinem verraten, dass ich Journalistik studiert habe. Schon seit Tagen schiebe ich diesen Artikel vor mir her, weil ich keinen Einstieg finde und keinen Hauptteil und kein Ende. Gar nichts. Tagebucheinträge sind dagegen babyeierleicht.

ABER ich habe Kinder und ich bin berufstätig und ich habe deshalb gar keine Zeit zum Nachdenken. Man nehme es mir also nicht übel, wenn ich zum informellen Schreibstil zurückkehre:

Eigentlich wollte ich über Zach Klein schreiben, einen Start-Up-Millionär, der eine ganz ähnliche Lebens- und Arbeitseinstellung hat wie ich – und trotzdem so weit gekommen ist.

Ich verweise jetzt einfach mal auf das Magazin Brand1, das bereits einen Artikel über ebendiesen Erfolgsmenschen veröffentlicht hat. Schon nach dem Lesen der ersten Sätze wusste ich: Diesen Kerl muss ich auch in meinem Blog thematisieren! Denn er scheint tatsächlich ein bisschen so zu ticken wie ich.

Klein ist so alt wie ich, hat aber ein wesentlich beeindruckenderes berufliches Portfolio vorzuweisen (u.a. hat er die Videoplattform Vimeo ins Leben gerufen). Dass er das geschafft hat, trotz seiner eher unsteten Art, ist beeindruckend. Deshalb zitiere ich im Folgenden ein paar Lebensweisheiten, die er im Interview mit Brand1 geäußert hat:

Genau so, als Entdeckungsreise, sollte jeder sein Leben leben, sagt er. „Es ist verrückt, dass sich Menschen in ihrer Karriere eingesperrt fühlen. Sie haben das Wissen gratis vor der Nase, um mehr aus sich zu machen, aber sind zu Geiseln des Geldes und all dessen geworden, was sie in ihren Werdegang gesteckt haben. Diese Investitionen rentieren sich längst nicht mehr für sie – es gibt weder eine Rendite in Sachen Leidenschaft noch in finanzieller Hinsicht. Wir haben den Punkt erreicht“, an dem man sich nicht mehr auf eine Kariere fürs ganze Leben verlassen kann. Wer Erfolg hat, schiebt sich früher oder später selber ins Aus.“ Je weiter man es bringe, umso weniger habe die Arbeit mit Kreativität oder Spaß zu tun: „Man wird ein Manager, man entwickelt ein Ego, man ist erfahren. Und man hört auf, neue Dinge zu tun und Neues zu lernen.“

Was nach Rastlosigkeit klingt, ist für Klein Lebensart. „Meine Firmen fallen in eine von zwei Kategorien. Entweder sind es vernünftige Ideen, deren Zeit gekommen ist und die man einfach jetzt umsetzen muss. Oder es sind autobiografische Firmen wie Vimeo, bei denen mich meine Leidenschaft und Erfahrung antreiben.“ Lassen sich Pragmatismus und Passion so säuberlich trennen? Klein denkt nach: „Nicht immer. Ich will auch nichts beschönigen: Manchmal geht man, weil es nicht funktioniert oder man mit anderen Leuten nicht so gut klarkommt.“

Am Ende muss Arbeit einfach Spaß machen, davon ist Klein überzeugt. Falls nicht, muss man sein Zelt woanders aufschlagen.

Gegen Ende des Brand1-Artikels wird jedoch klar, dass auch ein Zach Klein nicht alle paar Monate oder Jahre woanders arbeiten möchte. Er war auf der Suche nach dem optimalen Job und ist trotz seines Erfolgs nie wirklich angekommen. Seine herausragende Leistung bestand nun darin, dass er sich von seinem Erfolg und dem damit verbundenen Geld nicht einlullen lassen hat (so gesehen als Kompensation zur mangelnden Sinnhaftigkeit seiner vergangenen Jobs). Er ist stattdessen weitergezogen. Zum nächsten Start-Up.

Mittlerweile ist Klein fündig geworden. Er arbeitet bei einer – selbstverständlich eigens gegründeten – Do-it-yourself-Plattform (DIY Co) und ist sehr zufrieden mit seiner Tätigkeit. Laut eigener Aussage kann er sich vorstellen, mindestens zehn Jahre dort zu arbeiten. Das will schon was heißen.

Was lernen wir nun daraus? -Dass auch ein rastloser Mensch nur ein Ziel hat, nämlich sesshaft zu werden?
Letztlich widerspricht Klein seiner vormals gelebten Attitüde, immer weiterzuziehen, um Neues zu lernen, den Horizont zu erweitern. Er ist nur deshalb gegangen, weil ihn seine vormligen Jobs aus welchen Gründen auch immer keinen Spaß mehr gemacht haben.

Einige Menschen werden eher fündig, andere später. Wieder andere nie. Das muss nicht heißen, dass sie unglücklich sind. Sie haben sich lediglich arrangiert, sind Kompromisse eingegangen. Ich weiß nicht, ob man das so schlecht finden muss. Es ist nur weniger konsequent. Oder?

Auch eine Zeitarbeiterin vergnügt sich…

…dann und wann. Gestern Abend zum Beispiel: „Abschied!“ hieß die Show von Kurt Krömer im Tempodrom. Es war die dritte nach „Kröm de la Kröm“ und „Der nackte Wahnsinn“, die ich sehen durfte – und seine beste Show! Ich habe selten so gelacht. Krömer war auch einfach gut drauf. Es hat ihm sichtlich Spaß gemacht und sowas geht dann ganz schnell aufs Publikum über. Die Witze waren aber auch herrlich. Herrlich, herrlich, herrlich. Ziemlich kindisch – Telefonscherze inklusive (ja, er hat wieder bei der Hotline angerufen…). Seine Plautze ist auch immer wieder ins Rampenlicht gerückt, nackt selbstverständlich. FDP-Witze waren rar, schließlich hat Krömer „sein Ziel erreicht: Selbst ein Smart hat mehr Sitze!“

Und nun bin ich zu Hause und warte darauf, dass mein Töchterlein aufwacht, damit ich mit ihr zum Arzt gehen kann*. Fieber. Und dabei müsste ich nicht nur meinen Job machen, sondern auch den meiner Kollegin übernehmen, die im Urlaub ist. Schlechtes Gewissen. Hoffentlich wird sie schnell wieder gesund – oder ich muss meine Schwiegereltern einspannen. Tja, we will see. Noch bin ich jedenfalls gut gelaunt – trotz der kurzen Nacht mit fiebrigem Kind auf der Brust. Nachwehen der gestrigen Show. Danke Kurt – du bist der Beste!

*Warum muss man eigentlich ein fiebriges Kind zum Arzt schleppen, wo es doch im Bett viel besser aufgehoben ist? Nachweise erbringen, natürlich. So trägt eins zum anderen dazu bei, dass man Deutschland für wenig kinderfreundlich hält.