Väter in Teilzeit!

In meinem Beitrag „Das Betreuungsproblem“ schreibe ich ziemlich egoistisch über meine Muttergefühle und behaupte, ich könne es mir finanziell leisten, gänzlich auf meine Arbeit zu verzichten, um bei meinen Kindern zu bleiben.
Hmmmmm, das setzt natürlich voraus, dass es einen Ehemann gibt, der die Kosten trägt – tragen möchte(?), tragen muss(?).
Damit behaupte ich indirekt, dass ein Vater lieber arbeitet, als bei seinen Kindern zu hocken. Dass er lieber den Ernährer spielt und seinen väterlichen Pflichten am Wochenende nachkommt – wenn überhaupt. Dass ihm seine karriere mindestens genauso wichtig ist wie seine Familie.

Ein Porträt des Regisseurs Robert Thalheim in der Novemberausgabe des Magazins beweist das Gegenteil. Er thematisiert in seinem neuen Film „Eltern“ genau dieses Dilemma: Klar, Väter wollen Karriere machen, aber trotzdem Zeit mit ihren Kindern verbringen – nicht nur am Wochenende. Das Dilemma dabei: Mann kann sich nicht zerteilen.

Thalheims leitendes Thema befasst sich also mit der Frage, wie man „eine Familie absichert, ohne ausschließlich für diese Absicherung zu arbeiten, Zeit für Kinder findet und eine glückliche Partnerschaft führt, in der beide den Raum bekommen, sich zu verwirklichen“.

Es handelt sich somit glücklicherweise nicht um ein typisches Frauenproblem. Männer sehen das offenbar ganz ähnlich. Schön, dass ein Vater und erfolgreicher Regisseur das thematisiert – und sogar gleich einen Film darüber dreht. Respekt! Denn ich glaube, für viele Väter ist es ein Tabu, ihren Job in Frage zu stellen und dafür das Familienleben mehr in den Fokus zu rücken.

Als ich jedenfalls meinem Mann vorgeschlagen habe, nur noch 30 Wochenstunden arbeiten zu gehen – schließlich arbeite ich ja nun auch, an Geld würde es uns also nicht mangeln – antwortete er nur: „Neeeeeeeee, das geht nicht, das macht keiner in meiner Firma. Außer den Frauen.“ Nun bin ich mir nicht sicher, worin sein Argwohn gründet: Lebt ihm seine Peer Group (Kollegen + Vorgesetzte) ein anderes Männerideal vor und traut er sich deshalb nicht, aus gewohnten Bahnen auszubrechen? Oder will er tatsächlich lieber Karriere machen?

Wie auch immer, es mangelt noch an positiven Vorbildern.

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