Ich bin also Sekretärin

Was macht einen guten Job aus?
Diese Frage geht mir heute schon andauernd durch den Kopf, ich jedoch habe keine Antwort darauf.

Mein zweiter Job über die Zeitarbeitsfirma ist entspannt und vielfältig. Und dennoch wünsche ich mir etwas anderes. Ich glaube, das Team bei der BOS fehlt mir. Damals war ich umgeben von Gleichgesinnten. Wir alle steckten in der gleichen miserablen Lage: Zeitarbeiter, schlechte Bezahlung, der Wunsch, irgendwo (an-)genommen zu werden. Das verband uns. Wir witzelten herum, oft ironisch, hin und wieder sarkastisch, bisweilen zynisch. Eine Kollegin wurde sogar zur Freundin, mit der ich noch in Kontakt stehe – und das hoffentlich noch lange.

Dieser Grundtenor fehlt hier natürlich. Mit Sicherheit gibt es auch hier nette Kollegen, vielleicht sogar Gleichgesinnte, aber ich habe keine Lust, sie kennen zu lernen, da ich weiß, dass das Arbeitsverhältnis hier ohnehin auf ein paar Wochen befristet ist. Wozu also Bindungen aufbauen, sich erneut zur Schau stellen, die gleichen Fragen beantworten? Ich will tatsächlich nur eines: dass die Zeit schnell vergeht. Obwohl der Job als Sekretärin wirklich nicht schwierig ist und viele Freiräume bietet.

Wie wichtig doch das Soziale ist, ich hätte es echt nicht für möglich gehalten. Aber sobald man jemanden zum Quatschen hat, lässt sich doch alles viel einfacher an. Man beschwert sich gemeinsam über die Langeweile, man genießt gemeinsam die raren Pausen, man lacht zusammen. Ich meine, wie sähe das aus, wenn ich – allein in meinem Büro sitzend – plötzlich vor mich hin gackern würde? Im Übrigen ist mir allein nicht sonderlich zum Scherzen zumute. Nicht dass ich traurig wäre oder frustriert. Meine Stimmung ist irgendwie gleichbleibend – abwartend.

Heute also habe ich meinen offiziellen Chef kennen gelernt. Ein älterer Herr, der großen Respekt genießt und beinahe täglich zwischen Köln und Berlin pendelt, was ihm sicherlich Unmengen an Bonusmeilen beschert, aber nicht gerade positiv zur CO2-Bilanz beiträgt. Er macht einen recht strengen Eindruck, aber nicht unangenehm streng. Er weiß, was er will und kommuniziert das auch.
Die meiste Zeit ist er unterwegs und nimmt Termine wahr. Er sitzt dann mit seinem jeweiligen Gesprächspartner in einem teuren Restaurant und redet. Ich schätze, im Großen und Ganzen kann man das, was er tut, als Netzwerken bezeichnen, und über sein Netzwerk horcht er sich um, beeinflusst Meinungen, bestimmt vielleicht sogar. Wer weiß.  

So viele Termine wollen organisiert sein, allein die vielen Flüge und Restaurantbuchungen, Zu- und Absagen der Gesprächsteilnehmer… Glücklicherweise bin für all das nicht ich verantwortlich, sondern seine Sekretärin in Köln. Und falls die mal ausfällt, hat sie sogar eine stellvertretende Sekretärin.

Was mache ich also hier?

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