Exkurs 2: Bankjob

Gerade finden Bewerbungsgespräche statt. Unser Pressesprecher sucht eine neue Assistentin, weil sich sein jetzige einen anderen Job gesucht hat. Ich koche Kaffee, decke ein, decke ab und wieder ein und sage Bescheid, wenn eine neue Bewerberin eingetroffen ist. Es wurden nur Frauen eingeladen.

Überhaupt ist heute viel los. Ständig wird telefoniert, Kollegen unterhalten sich im Flur, der Verbandsdirektor und der Personalreferent sind aus Köln eingeflogen. Die Stimmen überschneiden sich, denn die meisten Bürotüren stehen offen. Bei mir ist allerdings noch kein einziger Anruf eingegangen, nur ein paar uninteressante eMails.

Schon Mittag, wie schön. In drei Stunden kann ich nach Hause gehen, meine Tochter aus der Kinderkrippe abholen und noch eine Weile mit ihr auf den Spielplatz gehen.

Gestern habe ich noch ein wenig in Erinnerungen geschwelgt an meinen Bankjob. Wir verglichen also Daten und nahmen, sofern dies erforderlich war, Änderungen vor. Adressänderungen oder einfach die Beseitigung von Tippfehlern. Den ganzen Tag lang.
Und wenn wir doch einmal von unseren Bildschirmen aufblickten und aus dem Fenster schauten, dann konnten wir den Putzfrauen im gegenüber liegenden Radisson Blu bei der Arbeit zuschauen. Wie sie die Betten machten oder Spinnweben zwischen den Balkonstreben beseitigten. Wenn ich sie so dabei beobachtete, dachte ich so bei mir: „Es gibt also doch noch schlimmere Jobs als meinen.“. Bis meine Kollegin sagte, sie sei lieber Putzfrau als Sachbearbeiterin bei der BoS. Sie wollte sich sogar mal als Hotelfachfrau bewerben, scheiterte aber an mangelnder Berufserfahrung.

Ich grübelte mehr oder weniger bewusst ständig darüber nach, welche Jobs schlechter sein könnten als meiner, aber mir fielen kaum welche ein. Einmal allerdings war ich abends noch bei Kaiser’s einkaufen und etwa drei Meter vom Ausgang entfernt stand ein Ladendetektiv. Er stand da und rührte sich nicht, schaute sich nur die an ihm vorbeigehenden Leute an, die ihn jedoch nicht beachteten. Da wusste ich, es gibt wenigstens diesen einen Job, der schlimmer ist als meiner.

Der Typ hatte nicht mal Kollegen, mit denen er sich hätte unterhalten können.

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