Neuer Job in Aussicht

Ich habe Angst. Ich habe Angst, in mein eMail-Postfach zu schauen. Ich habe Angst, auf mein Handy zu schauen. Ich habe sogar Angst, mein Handy überhaupt zu hören. Deshalb habe ich es auf lautlos gestellt. Nicht mal der Vibrationsalarm ist an. Es ist völlig still.

Ich habe schon seit meinem Vorstellungsgespräch am Freitag Angst, obwohl dieses kaum besser hätte laufen können. Meine Gesprächpartner machten einen äußerst warmherzigen Eindruck und schienen mir wohlwollend zugewandt. Es war ein sehr angenehmes Hin und Her von Fragen und Antworten und zwischendurch die ein oder andere Anekdote, erzählt vom Chef.

Und trotzdem habe ich das Gefühl, in diesem Unternehmen nicht bestehen zu können. Zumindest nicht auf dieser Position. Ich soll dort die Sekretärin vertreten, die krankheitsbedingt ausfällt. Für maximal sechs Wochen. Was soll man in sechs Wochen schon großartig falsch machen?

Was derart an mir nagt, ist meine nicht vorhandene Berufserfahrung auf diesem Gebiet. Grundsätzlich denke ich ja, dass es nicht sonderlich schwierig sein kann, Sekretärin zu sein. Aber genau weiß ich es eben nicht. Eingearbeitet werde ich dort nicht, das sagten sie mir schon. Die eigentliche Sekretärin ist ja krank. Ich werde ins kalte Wasser gestoßen und kann nur hoffen, dass ich nicht untergehe. Irgendwie deprimiert mich diese Aussicht.

Serienbriefe zu erstellen und ans Telefon zu gehen, ist doch keine Kunst? Und dennoch bin ich unglaublich aufgeregt. Die Angst, zu versagen, verfolgt mich bis in den Schlaf.

Letztlich wollen diese Leute doch nur eine kleine Unterstützung haben, rede ich mir ein. Sie erwarten keine Wunder von mir. Vielleicht kommen mal Gäste, die ich freundlich bewirten und deren Geschirr ich in die Spülmaschine räumen soll. Was ist daran so beängstigend?

Als ich mich auf die Zeitarbeit eingelassen habe, war der Hauptgrund, verschiedene Tätigkeitsfelder kennen zu lernen und so meinen Horizont zu erweitern. Mir schwebte vor, einen riesigen Erfahrungsschatz anzuhäufen und ich war voll froher Erwartung. Nun bietet sich mir ebendiese Möglichkeit, aber ich kriege kalte Füße.

Sich immer wieder neu beweisen zu müssen, Kollegen aufs Neue kennen lernen zu müssen, den Mikrokosmos des neuen Büros neu ergründen zu müssen, all das ist eine Herausforderung, jedoch keine, die ich gern in Angriff nehme. Sie ist ermüdend. Und da man weiß, dass man den neu ergründeten Mikrokosmos nach ein paar Wochen ohnehin verlassen wird, ist man auch nicht sonderlich erpicht darauf, sich diese Mühe zu machen.

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